Medienspiegel zur Toleranz-Themenwoche: Die ARD ist nicht normal

In der am Samstag beginnenden "Themenwoche Toleranz" hinterfragt die ARD, was Toleranz im Alltag bedeutet. Den Alltagstest hat die provokante Werbekampagne dazu nicht bestanden. Schwule und Behinderte fühlen sich verletzt - zu Recht, wie unser Redakteur Matthias Lohr meint.

Wenn man die ARD richtig versteht, wäre es okay zu sagen, Ausländer seien eine Belastung, Schwule nicht normal, Kinder Nervensägen und Behinderte Außenseiter.

Die Sache wird nicht dadurch besser, dass die Vorurteile in Fragen verpackt sind wie bei dem Porträt eines schwarzen Mannes, über dem steht: „Belastung oder Bereicherung?“     

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Noch schlimmer ist der Ankündigungstext des Hessischen Rundfunks, den auch Russlands Präsident Wladimir Putin geschrieben haben könnte: „Der Tag könnte schön beginnen, wenn nicht der Nachbar laut auf dem Balkon telefonieren würde. Ist sich das knutschende schwule Paar in der U-Bahn eigentlich bewusst, wie viel Toleranz es seinen Mitreisenden abverlangt?“ Es klingt, als wären Liebe und Homosexualität eine Plage wie dauerplappernde Nachbarn.     

Bei der ARD ist man überrascht, dass nun eine Empörungswelle durchs Netz rollt. Man habe einen Nerv getroffen. Aber es ist ein schlechtes Zeichen, wenn eine gut gemeinte Themenwoche zur Toleranz gerade die verletzt, für die sich der Sender doch starkmacht. Der Grünen-Politiker Volker Beck sagt: „Diese Themenwoche dreht das Rad der Zeit um 50 Jahre zurück.“     Das Beste an der Kampagne sind die lustigen Persiflagen, die Kritiker ins Netz stellen. Eine zeigt Günther Jauch mit der Frage: „Belastung oder Bereicherung?“

E-Mail an den Autor: mal@hna.de

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