Kommentar zum Unwort des Jahres: „Zu viel der Ehre“

In 470.000 Meldungen der Deutschen Presse-Agentur 2012 ist „Opfer-Abo“ nur ein einziges Mal vorgekommen - in der Berichterstattung über ein „Spiegel“-Interview mit Jörg Kachelmann. Erfüllt das wirklich die Kriterien für das „Unwort des Jahres“? Ein Kommentar von Mark-Christian von Busse.

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"Opfer-Abo" zu Unwort des Jahres gewählt

Laut den Kriterien muss sich ein Begriff öffentlich etabliert haben, obwohl er unangemessen ist, Sachverhalte verschleiert, gegen die Menschenwürde verstößt oder Gruppen pauschal diffamiert. Frühere Unwörter wie „Überfremdung“, „ausländerfrei“ und „Humankapital“ taten das.

„Opfer-Abo“ ist eine garstige Formulierung, gewiss. Aber gefallen ist sie in der emotionalen Ausnahmesituation eines gestürzten Prominenten. Gesellschaftlich durchgesetzt hat sie sich nicht. „Opfer-Abo“ ist bizarr, nicht etabliert. Vielmehr ist Kachelmann trotz seines Freispruchs geächtet. Die Jury tritt ihm noch mal vors Schienbein, gleichzeitig tut sie ihm zu viel der Ehre an.

Die Unwörter der vergangenen Jahre

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