Kommentar zur Zerstörung von Kulturgütern durch den IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) setzt ihre Zerstörung altorientalischer Kulturgüter im Nordirak fort. Ein Kommentar von Bettina Fraschke.

Die Herrschaft über Bilder zu erlangen, ist notwendig, um die Herrschaft über das Denken der Menschen zu erobern. Die Terroristen vom Islamischen Staat kennen diesen Zusammenhang genau.

Nicht nur überziehen sie die eroberten Gebiete mit unfassbarer Gewalt und autoritärer Ideologie. Sie gehen noch einen perfiden Schritt weiter, das wird immer deutlicher: Sie wollen die Bilder manipulieren, die die Menschen bereits in ihren Köpfen, in ihrer kollektiven Erinnerung tragen. Die Zerstörung der Jahrtausende alten assyrischen Stadt Nimrud zeigt das auf bestürzende Weise. Mit Bulldozern soll eine kulturelle Identität getilgt werden. Ruinen und Kunstobjekte sind Stein gewordene Erinnerung, Symbole für die Identität eines Volkes, einer Religionsgemeinschaft. Wer die zerstört, will sich der kulturellen Identität einer Region bemächtigen – und sicher auch den Westen herausfordern, wo Altertümer hoch im Kurs stehen.

Der IS, der unter Berufung auf eigene Islam-Auslegungen vermeintlich unrechte Abbildungen vernichtet, produziert mit seinen Propagandavideos längst einen eigenen Bilderkosmos. In einer Zeit, in der virtuelle Bilder allgegenwärtig und mächtig sind, ist das erfolgversprechend. Nicht zufällig sehen IS-Videos aus wie aus Computerspielen.

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