Kommissare können rocken: Axel Prahl beim Sommer im Park

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Am Tatort des Musikers: Ein vollbärtiger Axel Prahl bei seinem umjubelten Auftritt in Vellmar.

Vellmar. Bei manchen Typen kann man sich leicht täuschen. Axel Prahl zum Beispiel. Nicht nur wegen seiner Kleidung geht er oft und immer noch als Ostdeutscher durch. Dabei kommt der Wahl-Berliner aus Ost-Holstein. Prahl kann’s verschmerzen.

Zu seiner Zeit sei Ost-Holstein ja auch ein Arbeiter- und Bauernstaat gewesen, witzelt er im rappelvollen Zelt beim Sommer im Park. Im Leben muss man eben vieles für möglich halten. Denn am Ende eines überraschungsvollen und äußerst unterhaltsamen dreistündigen Konzertabends war das begeisterte Publikum auch gewiss: Tatort-Kommissare können rocken - und wie!

Prahl, der sich selbst als „Sängerarbeiter“ bezeichnet und über jahrelange Erfahrung als Straßenmusiker verfügt, hat alles, was man für die Musikbühne braucht: Er ist eine veritable Rampensau mit Instinkt für Publikumsstimmung. Und er hat nicht nur eine wuchtige, körnige Gesangsstimme, sondern auch das Talent zum Songschreiben.

In seinen chansonesken Momenten erinnerte einiges an Stephan Sulke, die kompakten Rocksongs haben in ihrer Schnörkellosigkeit die Güte eines Klaus Lage. Getragen von einem wunderbar musizierenden neunköpfigen „Inselorchester“ steigerte sich der 53-Jährige nach einer Reihe von Coverversionen vor allem im zweiten Teil mit den Titeln seiner aktuellen CD.

Der Höhepunkte gab es viele: Das von Roy Black bekannt gemachte „Du bist nicht allein“ sang Prahl im Leonard-Cohen-Parlando, während sein Orchester dazu eine Art Spaghetti-Western-Soundtrack unterlegte. Doch vor allem seine eigenen Songs sind umwerfend gut. Im melancholisch-galligen „Wieso bist du immer noch da“, sang er über das Scheitern seiner ersten Ehe. Die „Polonaise international“, zu der er im Kasatschok auf der Bühne rumsprang, ist als ausgelassener Balkan-Ska verpackt, und die zungenbrecherische „Wilde Welle“ steigerte sich mit herrlichen Harmonien.

Standing Ovations und die Hoffnung auf ein Wiederhören zum Ausklang des Vellmarer Zeltfestivals.

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