Die Kompanie Offspace und ihr Tanztheater über das Schauen

Malerei mit Körpern im Raum: Mareike Steffens (links) und Louisa Jacobs in dem Stück „Bezugssysteme“. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Alles ganz anders: Erst wartet das Publikum draußen vor der Tür auf den Einlass. Dann erscheinen die zwei Tänzerinnen nicht mehr wieder zum Applaus.

Dass sich dann Louisa Jacobs während der Performance von Mareike Steffens zum Zuschauen in die erste Reihe setzt, ein wenig Wasser trinkt und von einem kleinen Drachen erzählt, der die Sprache seiner Eltern nicht spricht, führt zu weiterer Verwirrung: Hier wird mit den Erwartungshaltungen des Publikums gespielt, „Bezugssysteme“ nennt die Kasseler Kompanie Offspace ihr Tanztheater im Dock 4.

Die beiden Tänzerinnen haben ihr Tanztheater der unterschiedlichsten Bezugssysteme gemeinsam mit René Alejandro Huari Mateus vom Staatstheater als Gastchoreograf entwickelt. Eine genaue, pointierte Arbeit, in der Louisa Jacobs und Mareike Steffens im dunklen Raum mit den weißen Linien ihre Körper aufeinander beziehen: Nichts scheint ohne den anderen zu sein, Menschenwesen mit zwei Armen und vier Beinen sind da zu sehen, von weißen Lichtbändern zerschnittene Körper. Mal wird die Doppelung des Ichs, mal die in Streifen aufgeteilte Ansicht auf der Bühne ausgestellt.

Das schafft zuweilen Bilder von hoher Ästhetik, Malerei mit dem Körper, grafisch genau. Die zwei Tänzerinnen entwickeln diese Bezugssysteme mit der Virtuosität ihrer Körper. Es sind Bewegungsexperimente im dunklen Raum, scheinbar schwerelos leicht, im Einklang mit Raum-Projektionen und Soundcollage.

„Sag mal, Mareike, warum tanzt du?“, fragt Louisa. Mareike spricht von Begeisterung und Suchtpotenzial. Louisa erklärt sich zur „Rampensau“ und dass sie gern an ihre Grenzen kommt. Ein kleiner Disput zwischen Tänzerinnen auf der Bühne. Nonsens-Streit.

Und auch hier werden die Bezüge zum Publikum verrückt. Was wollen wir sehen, und wie sehen wir? Ein kleines Stück über das Schauen. Die Tänzerinnen nehmen sich an die Hand und verbeugen sich zum Applaus. Doch, wie gesagt, nur einmal.

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