„Rivalinnen“ feierte Premiere im tif – Ein Projekt der S-Klasse

Konkurrenz im Alter

Das Leben ist ein Wettkampf: Das Theaterprojekt S-Klasse spielt „Rivalinnen“. Foto: Malmus

KASSEL. Tauziehen und Muskelspiele, wer spuckt höher und wer ist schneller? Das Leben besteht aus Konkurrenz und Rivalitäten. Nicht nur im kleinen Bereich, sondern auch im großen gesellschaftlichen. Das Leben ist ein Wettkampf. Die S-Klasse des Staatstheaters, eine Senioren-Laienspielgruppe, die seit Jahren ihre Fans mit kleinen Theaterstücken erfreut, hat sich diesem Thema mit viel Unbekümmertheit, Frechheit und Spielfreude mit dem Stück „Rivalinnen“ genähert. Ihre rund einstündige Collage, unter der Leitung von Stefanie Minet und ihrer Assistentin Katrin Flüs in Proben seit Ende 2010 entstanden, hatte am Samstag im tif Premiere.

Senioren-Theater kann witzig sein, aber auch präzise. In einem durchlaufenden Spiel-Strang gestalten die 14 Spielerinnen und Spieler, alle über fünfzig, in pantomimisch geprägten Bildern Impressionen der Rivalität: Halt den Mund, oder wer ist der Stärkere? Da streitet sich liebevoll ein Ehepaar (die beiden sind auch im wirklichen Leben ein Paar), oder es gibt einen Wettlauf mit Rollatoren. Dazwischen sind von der Gruppe erarbeitete kleine Spielszenen eingebaut, die mit einer gehörigen Portion Selbstironie, aber auch mit genauer Beobachtung des Allzumenschlichen unterfüttert sind: Die Kaufsucht der „Minusmillionäre“ am Wühlstand, der allmählich aufbrechende Konkurrenzkampf zwischen Hausmütterchen und Esoterikerin beim Interview mit dem genervten Journalisten, die Eskalation zwischen einer allmählich erkennenden Ehefrau und einer schweigsamen Geliebten beim Sektchen im Café.

Oder das Warming-up der von Panikattacken geschüttelten Politikerin, bevor sie scheinbar selbstbewusst und überzeugend vor die Wähler tritt – alles eine Frage der Perspektive. Mit fein adaptierten Anleihen aus „Maria Stuart“ und der „Dreigroschenoper/Eifersuchtsduett“ – besonders diese beiden Bilder haben in ihrer Inszenierung überzeugt – weitet die S-Klasse ihr Programm ins Theatralische und bleibt doch ganz lustvoll bei ihrem Thema. Konkurrenz wohin man sieht, das Leben ist kein langer ruhiger Fluss, auch nicht im Alter.

Weitere Aufführung: Freitag ab 20.15 Uhr im tif.

Von Juliane Sattler

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