Regisseur Klaus Stern zu seinem neuen Film über den Terroristen Andreas Baader

„Er konnte auch liebevoll sein“

Auch das war der Terrorist: Andreas Baader 1964 mit seiner Freundin Ello Michel und deren Sohn. Foto: nh

Vor acht Jahren beleuchtete der Kasseler Regisseur Klaus Stern zum ersten Mal das Leben von Andreas Baader. Nun hat der Grimme-Preisträger („Henners Traum“) eine neue Version von „Andreas Baader - Das Leben eines Staatsfeindes“ gedreht, die morgen im Bali-Kino Premiere hat. Wir sprachen mit dem 41-Jährigen.

Wieso gibt es nun einen neuen Film über Andreas Baader?

Klaus Stern: Durch die Biografie, die ich mit einem Kollegen über Andreas Baader geschrieben habe, war einfach zu viel neuer Stoff angefallen. Den konnte ich nicht einfach liegen lassen. Außerdem war ich mit dem ersten Film nicht in Gänze zufrieden.

Welche neuen Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Stern: Eine neue Sicht auf Baader liefern die Liebesbriefe, die er an die Mutter seiner Tochter, Ello Michel, geschrieben hat. Sie zeigen einen Baader, der sensibel, liebevoll und mit poetischer Kraft formulieren konnte. Was aber wenige Zeilen später wieder in Hass und wüsten Beschimpfungen umschlagen konnte. Ello Michel hat mir die 22 Briefe zwei Jahre vor ihrem Tod überlassen. Zudem habe ich nie gezeigte Filmausschnitte und Bilder gefunden. Und der 85-jährige Theodor Prinzing, der Vorsitzende Richter im Stammheim-Prozess, geht in dem Film zum ersten Mal nach 32 Jahren mit mir in den Gerichtssaal zurück.

Als Bernd Eichinger vor zwei Jahren den „Baader Meinhof Komplex“ ins Kino brachte, um den Mythos der RAF zu zerstören, sagten Sie, die Figur Baader werde durch den Film nur noch größer gemacht. Was bleibt heute von dem Kopf der RAF?

Stern: Der „Baader Meinhof Komplex“ bleibt nicht der letzte Kinofilm über die RAF. Gerade dreht Andres Veiel einen Film über die Anfänge der RAF. Einer der Hauptfiguren ist Andreas Baader. Baader, der eigentlich selbst Filmregisseur werden wollte, hätte wohl nicht in seinen kühnsten Träumen daran gedacht, dass ein Film über ihn mal für den Oscar nominiert wird.

Wann wird der Film im Fernsehen zu sehen sein?

Stern: Einen Termin gibt es noch nicht. Er ist auch gerade erst fertig geworden. Bis Mittwoch haben wir in Berlin noch am Schnitt gearbeitet.

Ihr nächster Film dreht sich um den Kasseler Versicherungsmakler Mehmet Göker. Hat der auch was von Baader?

Stern: Weiß nicht. Was beide unterscheidet ist, dass Baader niemals eine Krankenversicherung abgeschlossen hat. (mal)

Andreas Baader - Das Leben eines Staatsfeindes: Premiere mit Klaus Stern, morgen, 12 Uhr, Bali-Kino im Kulturbahnhof.

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