Olga Martynova ist die neue Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises

Sie konnte sagen: Juchhu!

Ausgezeichnet: Olga Martynova. Foto: dapd

Mit Olga Martynova hat den renommierten und mit 25 000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt eine 50 Jahre alte, gestandene Autorin gewonnen, die allerdings bislang vor allem als Lyrikerin und Essayistin auf sich aufmerksam gemacht hat. 2010 stand ihr Roman „Sogar Papageien überleben uns“ auf der Auswahlliste zum Deutschen Buchpreis, 2011 erhielt sie in Bad Gandersheim den Roswitha-Preis.

Die siebenköpfige Jury bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur, wie das Wettlesen am Wörthersee offiziell heißt, überzeugte der Prosatext Martynovas „Ich werde sagen: Hi!“ Darin schildert sie das doppelte Erwachen ihres jungen Protagonisten in den Ferien: Dichtung und Mädchen ziehen ihn an. Die Juroren zeigten sich beeindruckt vor allem von kunstvoll eingeflochtenen kulturgeschichtlichen Bezügen.

Juror Paul Jandl, der Martynova vorgeschlagen hatte, beschrieb den Text als „Geburt eines Dichters durch die Erotik“. Jurorin Daniela Strigl freute sich über den „hintersinnigen, anarchischen Witz“, die Kritikerin Meike Feßmann lobte die „souveräne und luftige“ Erzählung.

Als einer der wenigen Beiträge im Wettbewerb kreiste Martynovas Text nicht ausschließlich um private Themen. Viele Kritiker bemängelten, dass die 14 eingeladenen Autoren sich bei insgesamt hohem handwerklichen Niveau und sprachlicher Souveränität doch mit Alltäglichkeiten und mit kunstvoll gestrickter Innerlichkeit begnügten. Martynovas Erzählung, in die sie in humorvollen Einsprengseln Welt- und Kulturgeschichte einfließen lässt, zeigte am meisten Welthaltigkeit.

Nun hat Martynova auch schon dank ihrer Herkunft viel Welterfahrung. Am 26. Februar 1962 in Dudinka in Ostsibirien geboren, wuchs sie in Leningrad auf und studierte dort Russisch und Literatur. 1991 wanderte sie nach Deutschland aus und ließ sich in Frankfurt nieder. Ihre Gedichte schreibt sie in ihrer Muttersprache, Essays und Prosa entstehen weitgehend auf Deutsch. Sie verfasst auch Beiträge für „Die Zeit“ und die „Neue Zürcher Zeitung“. Ihr nächstes Buch wird nach der Auszeichnung in Klagenfurt erheblich mehr Aufmerksamkeit erhalten. (mit dpa/dapd)

Von Mark-Christian von Busse

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