Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor für Herbert Achternbusch, Förderpreis an Rebekka Kricheldorf

Konsequente Haltung in Hassliebe

Vor der Kunst auf die Knie: Oberbürgermeister Bertram Hilgen vor den Preisträgern (von links) Rebekka Kricheldorf, Herbert Achternbusch sowie Friedrich W. Block und Walter Pape (Stiftung Brückner-Kühner). Foto: Koch

Kassel. Herbert Achternbusch hat einmal über Bayern gesagt: „Diese Gegend hat mich kaputtgemacht, aber ich bleibe so lange hier, bis man es ihr ansieht.“ Das ist kompromisslose Haltung in ewiger Hassliebe! Nicht zuletzt für diese uneingeschränkte Konsequenz, aus der ein einzigartiges künstlerisches Gesamtwerk erwuchs, wurde Herbert Achternbusch am Samstag mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet.

Seine ganz persönliche Beziehung zu Bayern hat Achternbusch in rund 50 Büchern und 30 Filmen verarbeitet. „So feinsinnig wie derb, lustvoll wie verstörend, so witzig wie wütend, pathetisch wie selbstironisch setzt er individuelle Subjektivität gegenüber Zumutungen ins Recht, die das Leben zur ‘Saudummheit’ verkommen lassen.“ So steht es in der Urkunde, die Achternbusch, der sich bei der Preisverleihung selbst nicht äußerte, mit dem Scheck und der kleinen Statue von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen überreicht bekam. Hilgen: „Der Stiftungsrat hätte keinen Besseren finden können.“

Achternbusch hat fast alles gemacht, was ein Künstler machen kann: Gefilmt, geschauspielert, gemalt, geschrieben. „Er ist einer der ganz großen Schriftsteller, die Bayern hervorgebracht hat“, sagte Dr. Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia, Literaturarchiv und Bibliothek der Stadt München.

In ihrer Laudatio verortete sie Achternbusch nicht nur in der katholisch-barocken Tradition, sondern auch in der bayrischen Literatur(-geschichte) des 20. Jahrhunderts, also neben Größen wie Oskar-Maria Graf, Marieluise Fleisser und natürlich Karl Valentin.

Mit welchen Theaterautoren wird Rebekka Kricheldorf mal in einem Atemzug genannt werden? Mit ihr erhielt jedenfalls erstmals eine Frau und erstmals eine Dramatikerin den Förderpreis. Dieser werde verliehen, um Talenten unter 40 Jahren Aufmerksamkeit zu sichern, so Stiftungsratsmitglied Prof. Dr. Walter Pape.

An Aufmerksamkeit im Theaterbetrieb mangelt es Kricheldorf eher nicht. Allein in Kassel wurden zwei ihrer Stücke uraufgeführt, im Herbst folgt das nächste. Es lag also nahe, dass Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann die Laudatio sprach, der - wie er sagte - es kaum erwarten konnte, sie ausgiebig zu loben.

Das verband Bockelmann mit einem schönen Bekenntnis: „In meinem Theaterleben ist Kricheldorf diejenige, der ich mich am verbundensten fühle.“

Mit Christin Bahnert gab sie eine überzeugende Kostprobe aus ihrem neuen Stück „Villa Dolorosa“, in dem eine desillusionierte und schräge Geburtstagsgesellschaft junger Leute hochkomisch und wortgewaltig das trübe Leben an sich beklagt. Da wurde deutlich: Wie Achternbusch hat sie den Preis wirklich verdient.

Von Andreas Gebhardt

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