Konstantin Scherbakov begeisterte zum Auftakt des Musikfests

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Spielte an seinem 51. Geburtstag in Kassel: Der in der Schweiz lebende Pianostar Konstantin Scherbakov. Foto: Schachtschneider

Kassel. Zirkusreife Virtuosität kann etwas von (schwarzer) Magie haben - man begreift nicht so ganz, was geschieht. So glaubten manche Zuhörer, bei den größten Virtuosen des 19. Jahrhunderts, dem Geiger Niccolò Paganini und dem Pianisten Franz Liszt, den Schwefelgeruch dunkler Mächte zu erschnüffeln.

Doch auch das exakte Gegenteil ist möglich. Höchste spieltechnische Brillanz kann zu extremer Klarheit und Transparenz führen. Ein solcher erhellender Virtuose ist Konstantin Scherbakov. Mit einem spektakulären Klavierabend unter dem Motto „Gratwanderungen“ eröffnete er am Mittwoch - es war sein 51. Geburtstag - im Südflügel des Kulturbahnhofs das Musikfest Kassel.

Reisen, unterwegs sein, zieht sich als Thema durch das Musikfest - und dem folgte auch Scherbakovs Programm. Im ersten Band seiner „Années de pèlerinage“ verarbeitet Franz Liszt Schweizer Impressionen. Scherbakov deutete gleich beim Eingangsstück „Chapelle de Guillaume Tell“ mit fest gebauten Akkorden an, auf welch solidem Fundament diese Kapelle, aber auch sein gesamtes Spiel steht.

Ausgestattet mit spieltechnischen Fähigkeiten wie nur wenige Pianisten, geht es ihm nicht um den virtuosen Rausch, sondern um Durchdringung und das Ausleuchten musikalischer Strukturen. Sogar im Stück „Orage“, einem pianistischen Gewitter der Unwetterstufe, herrschte Klarheit bis zur Härte, während Scherbakov das „Vallée d’Obermann“ wunderbar stimmungsvoll ausmalte.

Francis Poulencs witzige Charakterstücke über Fortbewegungsarten per Auto oder Pferd in den „Promenades“ und die exotischen Reisebilder von Leopold Godowskys „Java Suite“ spielte Scherbakov mit der gebotenen Grandezza, wobei sich der javanische „Garten von Buitenzorg“ als wunderbares, von zarten Melodien durchzogenes Klanggemälde erwies.

Höhepunkt des Abends aber war Franz Schuberts ausladende „Wanderer-Fantasie“. Die Anfangsakkorde nahm Scherbakov in eher gemessenem Tempo, um dann dieses komplexe Stück in kristalliner Klarheit zu entwickeln. War der Adagioteil wunderbar abgetönt. so zeigte Scherbakov in der virtuosen Passage seine ganze Meisterschaft. Kaum einmal hört man dieses Werk in solcher Detailschärfe - bis in die wilden Schluss-Steigerungen hinein. Große Klavierkunst, die von den 100 Besuchern gefeiert und mit zwei Zugaben belohnt wurde: dem Glinka-Nocturne „Der Abschied“ und dem e-Moll-Walzer von Chopin.

Musikfest am Freitag, 20 Uhr, Südflügel: „Highlands“. Schottische Fantasien von Haydn, Beethoven, Schubert, Mendelssohn. Traudl Schmaderer und Musa Nkuna, Gesang, sowie Instrumentalisten.

Von Werner Fritsch

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