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Konstantin Wecker: Die Poesie hat mich gerettet

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Von: Steve Kuberczyk-Stein

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Erzählt über wilde, längst zurückliegende Konzerterlebnisse: Konstantin Wecker in der Stadthalle Kassel.
Erzählt über wilde, längst zurückliegende Konzerterlebnisse: Konstantin Wecker in der Stadthalle Kassel. © Andreas Fischer

Konstantin Wecker begeisterte die Besucher bei seinem Konzert in der Kasseler Stadthalle.

Kassel – Spätestens nach seiner Kokainabhängigkeit in der Mitte der 1990er-Jahre und den damit einhergehenden albtraumhaften Erfahrungen, hat sich Konstantin Wecker wieder in ein lebenswertes Leben zurückgekämpft. Mit „Ich singe, weil ich ein Lied habe“ eröffnet er am Dienstag sein Konzert in der Kasseler Stadthalle. Inbrünstig wie ein Glaubensbekenntnis singt er das Stück.

Es ist auch sein Bekenntnis zur neuen Freiheit, wie er später sagen wird. „Ich hätte heute keine Angst mehr, Publikum zu verlieren. Ich habe ja meine Poesie und ich singe, weil ich ein Lied habe.“

75 Jahre ist der vielseitige Münchner alt: „Wer hätte gedacht, dass ich nach diesem törichten Leben überhaupt so alt werde. Die Poesie hat mich gerettet.“ Die gut 500 Besucher erleben einen Konstantin Wecker, der bescheiden, entspannt, ausgeglichen und bestens gelaunt rüberkommt. Er lächelt viel – auch über sich und seine Persönlichkeit in jungen Jahren. Eine Prise Demut schwingt mit, als er sagt: „Früher dachte ich, meine Lieder und Gedichte sind alles mein Verdienst. Quatsch, es ist ein Geschenk. Schreiten Sie mit mir durch 50 Jahre“, lädt er das Publikum ein.

Das Publikum kommt gern mit, ist es doch eine Reise, die auch durch viele alte Wecker-Stücke führt. „Der alte Kaiser“, „Das Hexeneinmaleins“, „In diesen Nächten“, „Es ist schon in Ordnung“, „Sage Nein“ – und viele andere.

Kaum eins, das Wecker nicht lächelnd kommentiert: „Anfang der 70er war ich ein gnadenloser Macho.“ Auch über wilde, längst zurückliegende Konzerterlebnisse erzählt er: „ Auf fast jedem Konzert wurde mir von irgendeiner politischen Seite eingeredet, ich sei nicht ideologisch genug.“ Ein wenig Stolz keimt in ihm immer noch auf, wenn er von seiner Haltung spricht: „Ich hatte es nie mit den Angepassten.“ Auch der Konzertgenuss kommt nicht zu kurz. Eine wunderbare Band – Fany Kammerlander (Cello), Jürgen Spitschka (Schlagzeug), Norbert Nagel (Saxofon), Jo Barnikel (Piano) und im Mittelpunkt Wecker. Mal am Klavier, mal nur mit Mikro in der Hand zeigt er, was er besonders gut kann: Kritische Texte in eine wärmende Atmosphäre tauchen. Seine Gesangsstimme hat in den Jahren nichts an Eindringlichkeit eingebüßt. Von zärtlich bis melodramatisch anschwellend erreicht sie nach wie vor die Herzen der Besucher – ebenso seine Texte. Standing Ovations, Zugaben.

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