Das Arditti Quartet spielte zum 20-jährigen Bestehen der Reihe „Komponistinnen und ihr Werk“ im Bürgersaal des Rathauses

Konzentrierter Blick auf weibliches Komponieren

Komponistin Hilda Paredes (vorn links) und Konzert-Organisatorin Christel Nies werden eingerahmt von Lucas Fels, Ralf Ehlers, Ashot Sarkissjan und Irvine Arditti vom Arditti Quartett. Foto:  Schachtschneider

KASSEL. Erfinderin, Kuratorin, Intendantin und gute Seele: So charakterisierte Oberbürgermeister Bertram Hilgen im Rathaus-Bürgersaal, was Christel Nies für ihre Konzertreihe „Komponistinnen und ihr Werk“ ist. Bei einem Empfang vor dem Jubiläumskonzert zum 20-jährigen Bestehen war man sich einig, dass die Aufgabe, für die Christel Nies 1990 fünf Jahre veranschlagt hatte, noch lange nicht erfüllt ist. Noch immer sind Frauen im Konzertbetrieb nicht gleich vertreten wie Männer. Ein sicht- und hörbares Zeichen des Fortschritts - der sich sicher auch der Existenz der weit über Kassel hinausstrahlenden Reihe mit bisher 120 Konzerten und Musik von mehr als 200 Komponistinnen verdankt - war das Konzert. Die vier Spitzenmusiker des Arditti Quartet (Irvine Arditti und Ashot Sarkissjan, Violine; Ralf Ehlers, Viola, Lucas Fels, Cello) spielten fünf Stücke von fünf lebenden Komponistinnen aus fünf Ländern. Und wie sie es taten, war schlichtweg faszinierend: Die größten technischen Schwierigkeiten, auch ungewöhnliche Spieltechniken, bewältigten die vier, als seien es leichte Streichquartette von Haydn. Das Zusammenspiel funktionierte mit großer Präzision.

Kann man die fünf Stücke auf einen Nenner namens „Weibliches Komponieren“ bringen? Nein, die individuellen künstlerischen Ansätze waren höchst unterschiedlich, obwohl man bei allen Werken eine starke Tendenz zu konstruktivem, materialorientiertem Schaffen fernab konkreter oder gar programmatischer Inhalte feststellen konnte. Die Konzentration, die den Musikern abverlangt wurde, mussten auch die 90 Zuhörer aufbringen, um „Linien, Zeichnungen“ von Isabel Mundry, das 2. Streichquartett von Sofia Gubaidulina, „Cuerdas del destino“ der anwesenden Mexikanerin Hilda Paredes, „In the realms of the unreal“ von Olga Neuwirth und das berührende tiefdunkle „Terra Memoria“ von Kaija Saariaho nachzuvollziehen.

Christel Nies: Entdeckt und aufgeführt. Komponistinnen und ihr Werk IV, University Press, 300 S., 17 Euro.

Von Johannes Mundry

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