Das Edgar-Knecht-Trio war als musikalischer Botschafter des Landkreises Kassel in Amerika unterwegs

In der Höhle des Jazz-Löwen

Edgar Knecht hat eine Mission: Er will die in seiner Musik verpackten deutschen Themen auch im Ausland bekannt machen. Einige Male ist das schon gelungen – auf Kuba und in Russland zum Beispiel. Jetzt waren die Jazzmusiker des Edgar-Knecht-Trios zum ersten Mal auf Musik-Mission in Amerika. Eingeladen vom Landkreis Kassel, um als Jazz-Botschafter in die Partnerregion Stoughton und Madison (Dane County/Wisconsin) zu reisen.

So wie es anfangs Skepsis bei vielen Menschen an der Idee Knechts gab, aus deutschen Volksliedern Jazz zu machen, war es diesmal der Musiker selbst, der etwas unsicher war. „Wird es dort funktionieren?“, fragte er sich. Schließlich ging es für die Kasseler als Jazz-Export in das Mutterland der Jazzmusik. In die Höhle des Löwen, wie es Knecht nennt.

Wir kennen den Inhalt kubanischer oder russischer Lieder auch nicht, und sie berühren uns trotzdem mit ihren ganz unterschiedlichen Stimmungen. Mit ihrer zutiefst gewachsenen Aussagekraft“, sagte sich Knecht in diesen kurzen Momenten der Unsicherheit. Denn letztlich sei der Kraftfluss der Musik größer als man selbst. „Sie fließt durch einen hindurch, löst etwas aus“, sagt er. Gänsehautmomente. Die haben er, Bassist Rolf Denecke und Schlagzeuger Tobias Schulte dann auch in Amerika erlebt.

Neben Auftritten mit dem Con Vivo Chamber Music Ensemble und der Madison Collage Big Band gab es ein Konzert im Stoughton Opera House in Wisconsin. So war es auch eine Tour der musikalischen Begegnungen – mal mit Big Band, mal mit klassischem Ensemble. Kurzfristig bekam das Trio den Auftrag, eine Jazz-Schulklasse, die Masterclass an der Sun Prairie Highschool, zu unterrichten. Eine besondere Erfahrung: „Jazz hat dort einen anderen Stellenwert, er steht auf dem Lehrplan und es gibt dort viele Jazzfreaks“, sagt Knecht. Das habe sich wunderbar angefühlt.

Diese Begeisterung schlage sich auch bei der Ausstattung der Schulen nieder. „Der Theatersaal der Highschool in der etwa 20 000 Einwohner zählenden Kleinstadt hatte das Niveau eines Opernhauses“, so Knecht. Bei den Konzerten habe er den Zuhörern von den Inhalten der Lieder berichtet. Dadurch sei es möglich, sich der Musik noch besser zu nähern. Obwohl die Mentalität der Menschen eine andere sei, sei die Mission auch in Amerika erfolgreich gewesen.

Obendrein gab für die Kasseler Musiker ein Treffen, dass ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird: Bei der Probe mit der Big Band war der bekannte Dirigent und Grammy-Gewinner John DeMain mit seiner Frau Barbara anwesend. Anfangs habe der nur zugehört, hinterher sei er fasziniert von dem gewesen, was die Deutschen da so auf die Bühne brachten, sagt Knecht und er schwärmt bei der Erinnerung an die Reaktion des musikalischen Schwergewichts. „Wir waren für ihn nicht einfach eine Jazzband. Wir waren anders, spannender, als er es erwartet hatte.“

Zurück in Kassel, plant das Knecht-Trio nun eine weitere musikalische Begegnung: Aeham Ahmad, palästinensisch-syrischer Sänger und Pianist, wird am Dienstag, 28. Februar, mit dem Trio im Kasseler Opernhaus ein Konzert geben. Ahmad, der „Pianist in den Trümmern“, wurde international bekannt, weil er im Flüchtlingslager Jarmuk sein Klavier auf die Straße stellte, um mit den Menschen Musik machte. Er musste fliehen und lebt jetzt in Deutschland. Die Idee zu dieser musikalischen Begegnung hatte der Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann. Gespielt werden syrische und deutsche Volkslieder. Die Mission von Edgar Knecht geht also weiter. Schon jetzt steht für ihn fest: Musik kennt keine Grenzen.

Von Maja Yüce

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