Eine fesselnde Sonderschau im Diözesanmuseum stellt die Geschichte des Bamberger Doms vor

Ausstellung zur Geschichte des Bamberger Doms: Kostbarkeiten aus 1000 Jahren

Fröhliche Kinder: Skulpturen der „Seligen“ am Fürstenportal des Bamberger Doms. Foto:  nh

Bamberg. Seit nunmehr 1000 Jahren erfüllt sich die Hoffnung des Kaiserpaares Heinrich II. (973-1024) und Kunigunde (um 980-1033): Um ihr ewiges Andenken zu sichern, stifteten die Eheleute 1007 das Bistum Bamberg, dessen Dom 1012 geweiht wurde.

Die Geschichte des Doms erzählt jetzt eine 200 Kostbarkeiten umfassende Sonderschau im Diözesanmuseum.

Der vor 1000 Jahren geweihte Dom fiel einem Brand zum Opfer. Die heutige Kathedrale ist rund 800 Jahre alt. Doch vom Gründungsbau sind Relikte erhalten. Im Museum sind Putzreste aus der Westkrypta ausgestellt, die auf eine farbenprächtige Bemalung schließen lassen. Die Westkrypta, die noch eine aus dem alten Kaiserdom stammende Mauer aufweist, ist anlässlich des Domjubiläums für Besucher zugänglich. Das gilt auch für die Häupterkapelle. In ihr ruhen die als Reliquien verehrten Schädel des heilig gesprochenen Kaiserpaares.

Goldbestickte Mäntel

Im Museum wiederum sind Prunkstücke ausgestellt, die mit Heinrich und Kunigunde in Verbindung stehen. Die Goldstickerei des Mantels der Kunigunde (1. Viertel 11. Jh.) zeigt Christus, der aus dem Himmelstor schreitet. Auf dem goldbestickten Sternenmantel (um 1018-1024) von Kaiser Heinrich II. thront Christus in der Mandorla. Ihm ist der gesamte Erdkreis untergeordnet: Maria und Johannes vertreten die christliche Welt, die Sternzeichen symbolisieren das Universum.

Das heutige Erscheinungsbild des Domes geht auf den Willen König Ludwigs I. von Bayern zurück, wie sein Brief (1826) an den Bamberger Erzbischof belegt. Er wünschte, dass die Bemalung der Wände und Skulpturen entfernt werde. Mit sichtbaren Steinen nämlich stellte man sich im 19. Jahrhundert das ursprüngliche Erscheinungsbild des Domes vor, der im Osten im Stil der Spätromanik begonnen und im Westen in dem der Frühgotik vollendet worden war.

Doch das war eine Fehleinschätzung. Denn Wände und Skulpturen waren ursprünglich bemalt. Der berühmte Bamberger Reiter (um 1225-1237) etwa - das erste lebensgroße Reiterstandbild nördlich der Alpen - hatte braunes Haar und rote Lippen.

Einziges Papstgrab nördlich der Alpen

Somit präsentiert sich uns der Dom, der neben dem von Tilman Riemenschneider geschaffenen Hochgrab (1499-1503) des Kaiserpaares das einzige Papstgrab (Clemens II., 1240) nördlich der Alpen beherbergt, gleichsam als Rohbau. Auch in diesem Zustand ist sein Skulpturenschmuck jedoch grandios. Die Figuren an der rechten Seite der Adamspforte (um 1225-1230) stellen Petrus sowie Adam und Eva dar. Das hüllenlose erste Menschenpaar gilt als früheste lebensgroße Aktdarstellung des Mittelalters. Ihnen gegenüber auf der linken Seite stehen Heinrich und Kunigunde sowie der Erzmärtyrer Stephanus, der zum Zeichen seiner Seligkeit mit geschlossenen Lippen lächelt. Dieses berühmte „Bamberger Lächeln“ zeigen auch viele Figuren des Fürstenportals (um 1225-1237). Bei drei Kindern ist es so stark ausgeprägt, dass man meint, sie würden jeden Moment losprusten.

Von Veit-Mario Thiede

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