Der Krach geht weiter: Streit um „Rock am Ring“

"Rock am Ring" gibt es auch dieses Jahr - nur nicht am Nürburgring, sondern auf einem Eifel-Flugplatz. Die Festival-Saison startet nun aber auf Schalke. Alles über den Rock-Streit.

Ab heute wird wieder gerockt - jedoch nicht mehr am Nürburgring. Wir beleuchten den Streit um die Festivals Rock am Ring und auf Schalke.

Neben „Rock am Ring“ liest man von „Grüne Hölle Rock“ und „Rock im Revier“. Was findet wo statt? 

„Rock am Ring“ gibt es immer noch, es findet vom 5. bis 7. Juni jedoch 30 Kilometer westlich auf dem Eifel-Flugplatz Mendig statt. Marek Lieberberg, der das wichtigste deutsche Festival mit seiner Firma MLK seit 30 Jahren organisiert, hatte sich mit den Betreibern des Nürburgrings nicht auf einen neuen Pachtvertrag geeinigt. Damit begann der große Krach.

Stattdessen wollte die Deutsche Entertainment AG (Deag) mit ihrem Chef Peter Schwenkow auf dem Gelände die „Grüne Hölle Rock“ als „Traditionsfestival“ etablieren - bis die Deag den Vertrag kündigte, weil sich die Ring-Betreiber nicht genug am Marketing beteiligt hätten, vielleicht aber auch weil der Vorverkauf enttäuschend verlief. Musik-Fans, die sich für „Grüne Hölle Rock“ auf dem Ring Karten gekauft haben, müssen nun nach Gelsenkirchen reisen, wo in der Arena auf Schalke heute „Rock im Revier“ startet.

Wer tritt denn überhaupt auf? 

Das dreitägige Großereignis im Fußballstadion verspricht wie sein Schwester-Festival „Rockavaria“ in der Münchner Olympiahalle „kompromisslosen Rock“. Es spielen Bands wie Metallica, Kiss Muse und Faith No More auf. Rock am Ring und Rock im Park in Nürnberg bieten dagegen mehr Abwechslung zwischen Rock (Foo Fighters, Die Toten Hosen) und Elektro (Deichkind, The Prodigy).

Funktioniert ein Rockfestival auch im Stadion? 

Das muss sich zeigen. Festival-Besucher wollen ja nicht nur Musik, sondern auch das Drumherum mit Zelten. Deag-Chef Schwenkow erwartet zwar 45 000 Fans, aber zuletzt gab es aufwändige Rabattaktionen: 180 Euro teure Karten wurden für 99 Euro verschleudert.

Experten sehen die Deag, die Klassik-Künstler wie David Garrett und Anna Netrebko zu Pop-Stars gemacht hat, unter Druck. Lieberberg, der sich mit der Deag vor Gericht um die Namensrechte an „Rock am Ring“ stritt, wirft Schwenkow „Selbstüberschätzung und Maßlosigkeit“ vor. Miteinander reden beide nicht mehr.

Ist der Konzertmarkt auch angesichts überteuerter Karten nicht völlig überdreht? 

Lutz Engelhardt

Einerseits gibt es eine große Nachfrage: Die 90 000 Karten für „Rock am Ring“ sind schon seit März ausverkauft. Andererseits soll die US-Band Metallica für einen Festival-Auftritt mehrere Millionen Eurokassieren. Der Kasseler Konzertveranstalter Lutz Engelhardt (Kulturzelt) hält die Gagen für „völlig irrational“: Managements in den USA und England lachten sich kaputt „über all das dumme deutsche Geld“.

Sobald ein Veranstalter einen Riesen-Act gekauft habe, ziehe der andere nach. Diese Preisspirale spüre der gesamte Markt: „Lange wird das nicht mehr gut gehen.“ Vor allem das am Reißbrett entworfene Deag-Festival sieht Engelhardt kritisch: „Hier geht es längst nicht mehr um Musik, sondern allein um Profit.“

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