Teilweise herausragende Sängerleistung und viel Wagner-Kompetenz aus dem Graben

Die Kraft, die im Leiden steckt

Verführerisches Gewusel: Ulrike Schneider, Runette Botha und Ingrid Frøseth (von links) tändeln als Blumenmädchen mit Parsifal (Christian Elsner). In der hinteren Reihe: Chordamen.

So sehr Richard Wagner im „Parsifal“ Askese predigt, so suggestiv präsentiert er sich dabei als musikalischer Verführer. Bei Patrik Ringborg waren die Wagnerschen Qualitäten bestens aufgehoben: Es gab feine Farbwechsel zwischen Bläsern und Streichern, subtil ausgehörte Mischklänge und harmonische Verschiebungen.

Die zügige Musizierweise geriet nur bei den Fortissimo-Steigerungen etwas ins Stocken. Und bei aller Expressivität rollte Ringborg mit dem Orchester den Sängern einen roten Teppich aus.

Eine Klasse für sich war als Gast Christian Elsner in der Titelrolle: Klarheit und stimmliche Strahlkraft gingen einher mit einer Variabilität der Färbungen und des Ausdrucks, die man bei Wagner-Tenören selten findet.

Mutig, stark, unbändig, mit einer stimmlichen Bandbreite von zartesten Lyrismen bis zu harten Urlauten zeichnete Ursula Füri-Bernhard die kaum zu fassende Kundry-Figur - etwas mehr von ihrem Mut hätte man der Regie gewünscht. Und dazu machte Espen Fegran mit einer sängerisch wie darstellerisch starken Verkörperung des Amfortas die Kraft deutlich, die im Leiden steckt.

Eine schier mörderische Partie hat Mario Klein als Gurnemanz zu bewältigen. Er stand sie bewundernswert durch, auch wenn sich nicht jederzeit ein gesanglicher Fluss einstellte. Deutlich in der Diktion, jedoch etwas flach in der Stimmgebung verkörperte Marc-Olivier Oetterli den Zauberer Klingsor.

Die Qualität einer Wagner-Aufführung bemisst sich nicht zuletzt an der Besetzung der kleineren Partien. Um die Riege der Blumenmädchen und Knappen aus dem Ensemble dürften auch größere Häuser Kassel beneiden. Zumal auch der Opern- und Extrachor sowie der Kinderchor Cantamus bestens agierten. Viel Beifall für die Musik, etwas verhaltener für die Regie.

Wieder am 22. und 29.4. sowie 6. und 12.5. Karten: Tel. 0561 / 1904-222.

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