Das Uniorchester spielt Französisches und Bruckner unter der Leitung von Malte Steinsiek

Kraft, die in Ruhe gründet

Beeindruckend: Das Orchester der Universität Kassel unter Malte Steinsiek. Rechts unten Solist Ullrich Pühn. Fotos:  Malmus

KASSEL. Metaphysik statt Speis und Trank: In der Zent-ralmensa am Holländischen Platz beeindruckte das Orchester der Universität Kassel am Donnerstagabend mit Anton Bruckners früher d-Moll-Sinfonie, der sogenannten „Nullten“. Der allzu selbstkritische Komponist hatte sie einst als puren Versuch abgewertet, weshalb sie erst 28 Jahre nach seinem Tod uraufgeführt worden war. Dennoch ist die „Nullte“, die bereits auf spätere Werke wie die 3. Sinfonie vorausweist, ein echter Bruckner.

Klangflächen mit bewegten Streicherfiguren gibt es da, Steigerungswellen, gewaltige Einwürfe der Blechbläser, wie von Weihrauch umwehte Choraltöne und die berüchtigten Pausen, die bei schlechten Wiedergaben den musikalischen Fluss zu zerstückeln drohen.

Zerstückelt klang hier nichts. Dirigent Malte Steinsiek, als Absolvent der Kurse des großen Sergiu Celibidache ein ausgewiesener Brucknerianer, ließ die Sinfonie bei sensibler Beachtung der Details organisch geschlossen wirken. Kraft, die in Ruhe gründete.

Beachtlich für ein Amateurorchester, wie alle Gruppen bis hin zum dunklen Fundament der Bässe der Vorgabe gerecht wurden. Wobei man besonders von den leisen, überaus warm klingenden Streicherakkorden im langsamen Satz angetan sein konnte. Viel Beifall bekamen Dirigent und Orchester im gut besuchten Saal. Uni-Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep nannte es zu Recht einen wunderschönen Abend.

Dazu trug auch der erste Konzertteil mit einem aparten französischen Programm bei. Auf den tänzerischen, doch untergründig elegischen Beginn mit Gabriel Faurés „Masques et Bergamasques“ folgten Concertinos für Flöte und Orchester von Charles Gounod und Cécile Chaminade. Allerlei Virtuoses, Triller, Läufe hatte der Solist Ullrich Pühn hier zu spielen - souverän gelöst, nicht auftrumpfend, sondern mit Versiertheit, die ebenfalls in der Ruhe gründete. In Pühns Zugabe durfte man noch ein Flötensolo des Komponisten Jacques Ibert genießen.

Wiederholung des Konzerts: morgen, 18 Uhr, Friedenskirche.

Von Georg Pepl

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