Thomas Pieper führte mit dem Collegium Vocale an St. Marien Mozarts Requiem auf

Die Kraft der 19 Stimmen

Das Collegium Vocale, geleitet von Thomas Pieper (rechts). Foto: Malmus

Kassel. Neunzehn Stimmen umfasst das Collegium Vocale an St. Marien, der Rosenkranzkirche am Bebelplatz. Doch was dieser Kammerchor an Klangvolumen und an stimmlicher Durchschlagskraft erzeugen kann, ist staunenswert. Zumal unter so entgegenkommenden akustischen Bedingungen wie in der Rosenkranzkirche, wo das Collegium Vocale unter der Leitung von Regionalkantor Thomas Pieper Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes „Requiem“ aufführte.

Pieper nutzte die Beweglichkeit der kleinen Sängerschar und des ebenfalls klein besetzten Orchesters für ein äußerst flüssiges und reaktionsschnelles Musizieren, ohne auf die große Klangwirkung zu verzichten. Hervorzuheben ist die Homogenität des Chores in den einzelnen Stimmgruppen, wobei der Sopran (unnötigerweise) gelegentlich etwas forciert.

Ausdrucksstärke, Kraft und und Dringlichkeit, verbunden mit einer gewissen Schnörkellosigkeit, machten die Qualität dieser Aufführung aus. Geradezu urgewaltig wurde der Tag des Zorns, das „Dies irae“, musikalisch umgesetzt. Auch den komplexen Fugen (samt dem rasend schnellen „ne absorbeat“) zeigte sich der Chor souverän gewachsen.

Erweitern könnte sich das Ausdrucksspektrum noch bei den zarten und geheimnisvollen Passagen, etwa im „Confutatis“ und im „Lacrimosa“.

Das vor allem in den Bläserstimmen profilierte Orchester überließ dem Chor dynamisch die Führung. Die vier Solisten (Traudl Schmaderer, Sopran, Isabel Grossmann, Alt, Michael Brauer, Tenor, und Jochen Faulhammer, Bass) harmonierten bestens untereinander und im Wechsel mit dem Chortutti.

Als reizvolles Entree erwies sich Henry Purcells „Funeral music for Queen Mary“ mit eindringlichen Vokalsätzen und aus dem Hintergrund eingespielten Blechbläser-Canzonen.

Die Zuhörer im voll besetzten Kirchenraum spendeten lang anhaltenden Beifall.

Von Werner Fritsch

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