Neu im Kino: Der zutiefst bewegende Mönchsfilm „Von Menschen und Göttern“

Ein Kraftfeld der Hoffnung

Ringen um innere Klarheit: Mönch Christophe (Olivier Rabourdin). Foto: nfp

Unaufhörlich kreist ein Militärhubschrauber über dem algerischen Kloster. Alle Bedrohung verdichtet sich in diesem an- und abschwellenden Rotorenrattern. In der Kirche sitzen die Mönche in ihren Kutten still unter dem Lärm. Bis Bruder Christian aufsteht und zu singen anfängt. Die anderen stimmen ein in die alten, heiligen Klänge der Hoffnung. Sie halten einander fest, stützen sich. Und durch das bunte Glasfenster über dem Altar leuchtet die Sonne.

Xavier Beauvois hat mit „Von Menschen und Göttern“ einen der wichtigsten und bewegendsten Filme des Jahres gedreht. Er erzählt von jenen Trappistenmönchen im Kloster Notre Dame de l’Atlas im algerischen Tibhirine, die 1996 unter ungeklärten Umständen ermordet werden - von den Islamisten, die mit Terroraktionen Angst in der Landbevölkerung verbreiten - oder von der Armee selbst. Der beim Festival in Cannes mit dem großen Preis der Jury ausgezeichnete Film klärt diese Frage nicht.

Xavier Beauvois und seine Kamerafrau Caroline Champetier zeichnen fein beobachtete Porträts von aufrechter Menschlichkeit, die nicht nur zur besinnlichen Weihnachtszeit starken Eindruck machen. Mit gefühlsheischender Mönchs-Folklore oder betulichen Glaubensbekundungen hat das gar nichts zu tun.

In seinem unaufgeregten und sehr liebevollen Erzählstil zeigt Beauvois vielmehr das Ringen der Ordensleute um ihre innere Haltung im Angesicht der Bedrohung. Bleiben oder gehen - die Frage muss jeder der neun Mönche für sich beantworten.

Am Weihnachtsabend kann Bruder Christian (Lambert Wilson) noch mit Schlagfertigkeit ein Eindringen der islamistischen Kampftruppe in die Klostermauern abwettern - nicht nur, weil er den Anführer verblüfft, indem er eine Koranstelle zitiert. Doch wie soll es weitergehen?

Die bescheiden lebenden Brüder sind im Ort fest verwurzelt, behandeln die Kranken, sind moralische Autoritäten, die auch mal von den Dorfältesten um Rat gefragt werden. Christen, Muslime - hier ist allen klar, dass sie an den gleichen Gott glauben.

Was bedeutet es, für seine Werte einzustehen? Die Stimmung am Tisch der Mönche verändert sich im Laufe des Films, sie erringen mehr und mehr Mut und Klarheit.

Beauvois bewertet nicht, wendet sich schon gar nicht nur an gläubige Zuschauer. Wir sehen vielmehr den teils betagten, teils jüngeren Männern ins Gesicht, begleiten sie bei der Feldarbeit, auf dem Markt, bei der medizinischen Versorgung, in ihren Zellen beim verzweifelten nächtlichen Gebet und beim Sterben. Das rührt zutiefst an.

In ihren Gesängen vor dem Altar erzeugen die Ordensleute ein Kraftfeld, aus dem sie Zuversicht schöpfen. Der Film kann das Entsprechende für die Zuschauer schaffen.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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