Kraftprotz mit Hammer: Kenneth Branagh verfilmt den Superhelden-Comic „Thor“

Kraftlos: Auf der Erde kann der seiner göttlichen Stärke beraubte Donnergott Thor (Chris Hemsworth) noch nicht einmal seinen Hammer heben. Foto: Verleih

Viel Staat ist mit uns zeitgenössischen Erdlingen nicht zu machen. Unser Wissen über die nordische Götterwelt beziehen wir aus verstaubten Kinderbüchern, und Tierhändler auf diesem mickrigen Planeten verkaufen nicht etwa tapfere Streitrösser, sondern Schoßhündchen. So erlebt es der draufgängerische Götter-Jungspund Thor in der irdischen Verbannung.

Auf diesem unbedeutenden Planeten Erde muss der Blondmähnenträger (Chris Hemsworth) sich auf Geheiß seines Vaters Odin (Anthony Hopkins) die Sporen für die göttliche Königswürde verdienen. Der hat ihn aber nicht nur in die Wüste New Mexicos verbannt, er hat ihn auch seiner Superkräfte beraubt. Sprich: seines Hammers. Ohne Hammer ist Thor aber nur ein Muskelprotz im T-Shirt mit perfekten Handkussmanieren. Fertigkeiten wie das Fliegen mit wehendem Cape und das Umnieten zahlloser Gegner im Kampf sind wie ausgeknipst.

Wie es zu seiner Verbannung kam, und wie Thor auf der Erde die Lektion fürs göttliche Leben als König des Mythenreiches Asgard lernt, erzählt Kenneth Branagh im Superhelden-Film „Thor“. Der Nachwuchsgott setzt auf die Hilfe der gut aussehenden Astrophysikerin Jane (eine blass bleibende Natalie Portman), die im Wohnmobil in der amerikanischen Wüste rätselhaften Himmelsphänomenen hinterherspürt.

Über 600 Comicfolgen hat der Marvel-Verlag seit 1962 über den Donnergott produziert. Mit 3D-Effekten und überbordenden Bildwelten bringt nun ausgerechnet Branagh den Stoff auf die Leinwand, bisher eher ein Spezialist fürs Dramenfach.

Branagh gewinnt der Geschichte um die Läuterung eines aufbrausenden Kriegers, um seinen intriganten Bruder Loki und die Machtkonflikte am Hofe in Asgard denn auch durchaus Shakespeare’sche Konfliktkraft ab. Die Vielschichtigkeit, die diese Regiehandschrift dem Film bringt, wird vom Verleih allerdings offenbar nicht für zentral befunden, denn auf den „Thor“-Werbetafeln im Kino taucht sein Name gar nicht auf.

Freilich stemmt Branagh auch die gut getimte Action mit angenehmer Leichtigkeit. Dazu setzen die Computergrafiker die verfeindeten Mythenwelten Asgard und Jotunheim spektakulär in Szene, die eine goldglänzend, die andere eisigblau und düster. Hier bringen auch die 3D-Effekte eine schöne Ergänzung zum Kampfgetümmel.

In den Teilen des Films, die auf der Erde spielen, kann 3D seine visuelle Kraft wesentlich weniger ausspielen. Dazu kommt: Superhelden, die ihre Spezialkräfte erst gewinnen und dann damit klarkommen müssen (Spiderman), sind erzählerisch interessantere Figuren als solche, die überirdische Kräfte haben und höchstens kurzzeitig verlieren. Zudem hätten die schönen ironisierenden Elemente, die das Superheldenwesen leise auf die Schippe nehmen, wesentlich stärker sein dürfen.

Genre: Comicverfilmung

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: drei von fünf Sternen

www.hna.de/kino

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