Krafttvoll und poetisch: „Peer Gynt“ als Tanzstück an der Lichtenberg-Schule

KASSEL. Peer umfährt mit der Fingerspitze sein auf dem Boden liegendes anderes Ich. Nachdenklichkeit. Wo ist er, wo ist er selbst? Im Hintergrund der Bühne malt Solveig mit Kreide einen Kreuzungsweg auf den Boden. Irgendwann muss man sich entscheiden. Solveig und Peer, die beiden finden sich in einem anrührenden Duo, Näherkommen, vorsichtiges Sichfinden und Sichberühren. Tanz als poetisches Moment, getragen von zwei Schülern der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule, die staunen machen. Der kraftvoll und zugleich so leichtfüßige Carim Al Samarraie und die zarte, ausdrucksstarke Lisa-Maria Damm waren am Montagabend die beiden heimlichen Stars von „Peer Gynt“.

Die Lehrerin Anke Hardt, lange Jahre auch beim Kasseler Tanztheaterfestival engagiert, hat im Kurs „Darstellendes Spiel“ mit Schülern der Abiturklasse Q4 und der Q2 das Stück von Henrik Ibsen als Tanztheater einstudiert: Eine Arbeit, die den Profi verrät, collagiert aus Schauspiel- und Tanzszenen, verknüpft mit Videosequenzen und unterlegt mit Klassik und Pop-Musik: Mit viel Leichtigkeit und Poesie fügen sich die Bilder zusammen, die von Hochzeitsimpressionen, burleskem Cowgirl-Spektakel, von dem witzigen Spiel der Trolle und dem Geldrausch à la Cabaret handeln. Zuweilen setzen Videofilme das Geschehen auf der Bühne fort.

Die Rolle des Peer, sein vielschichtiger Charakter, wird neben Samarraie auch von dem coolen Kevin Kerner und zum Schluss von Chris-Philip Boden gespielt: So entwickelt sich ganz nebenbei das Bild eines Egomanen, der auf der Suche nach seinem Ich ist.

Dieses Tanztheater von Schülern erzählt vom Unterwegs-Sein, dem Aufbruch und Fall, Botschaft inklusive. Und Kristin Heyne setzt mit viel jugendlicher Präsenz in diese bewegten Bilder einen passgenauen Monolog hinein: „Der Selbstsucht-Kaiser, er lebe lang.“

Alles in allem Tanztheater von engagierten Schülern, die von Lehrerin Anke Hardt später ein besonderes Lob erhalten: „Wenn Sie verantwortungsbewusste und belastbare Menschen brauchen, hier sind sie“, sagt sie sichtlich gerührt. Schule, die Arbeit zwischen Pädagogen und Jugendlichen, wünscht man sich immer ein wenig so. Zum Schluss stürmischer Applaus.

Wieder am Mittwoch, am 3., 4. und 5. Juni, jeweils 19.30 Uhr.

Von Juliane Sattler

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