Krasse Heimkehr: OK Kid mit Hybrid-Pop im Kasseler Club 130 BPM

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Viel mehr als nur okay: Sänger Jonas Schubert von OK Kid im Kasseler Club 130 BPM.

Eigentlich stammen OK Kid aus Gießen, aber auch in Kassel war ein Teil des Trios einst zu Hause. Bei ihrer Heimkehr wurden die Musiker im Club 130 BPM zu Recht gefeiert.

Kassel. Es hätte gut sein können, dass Moritz Rech Beamter geworden wäre, statt am Donnerstag auf der Bühne des Kasseler Clubs 130 BPM zu stehen. Der gebürtige Gießener hat in Nordhessen Musik und Deutsch auf Lehramt studiert, doch dann kümmerte er sich mit zwei Freunden um seine Start-up-Firma, die Band OK Kid.

Deren Wirtschaftszahlen sind für Uni-Absolventen ziemlich beeindruckend. Das zweite Album des mittlerweile in Köln lebenden Trios stieg im April auf Rang sechs in die Charts ein. Der ursprünglich für das Kasseler Konzert angedachte Ort, das A.R.M., erwies sich schnell als zu klein. Und selbst die knapp 30 Euro teuren Karten für den Club 130 BPM waren so gefragt, dass das ehemalige Musiktheater mit 500 Fans gut gefüllt war.

Seinen Band-Kollegen hatte Rech angekündigt: „Kassel wird richtig krass.“ Weil sie gerade erst im nahe gelegenen Fulda aufgetreten waren, hatte er noch den Booker überzeugen müssen, dass seine einstige Heimat ein wirtschaftlich sinnvoller Standort ist.

Das war er, weil OK Kid auch künstlerisch eine Erfolgsgeschichte schreiben. Ihr Sound ist ein Hybrid aus den beliebtesten Musikstilen der Kids von heute. Schon mit „Unterwasserliebe“, dem zweiten Song des 90-minütigen Abends, hat die Band die Menge fest im Griff, die zuvor den Heidelberger Rapper Muso erlebt hatte. Rech, Sänger Jonas Schubert, Schlagzeuger Raffael Kühle und zwei zusätzliche Live-Musiker vereinen die flirrenden Gitarren des Indierock mit vertrackten HipHop-Beats und elektronischen Tüfteleien. Würde sich Bloc Party mit Moderat zusammentun und den Pop-Appeal von Cro haben, käme ungefähr die Musik von OK Kid heraus.

Ebenso gemischt ist das Publikum. Ein Kritiker hatte geschrieben, OK Kid würden den Sound einer Generation prägen, was natürlich Blödsinn ist. Aber das Konzert im Techno-Laden bewies, dass die einzelnen Fan-Szenen von früher längst eine große Szene sind.

Keyboarder Moritz Rech

OK Kid sind die Generation Pop, machen Party und nebenbei Politik. Erst spielen sie „Gute Menschen“, den bereits zwei Jahre alten Track über Fremdenhass und Homophobie, der leider aktueller ist denn je. Wenig später feiern sie mit „Bombay Calling“ ihr Lieblingsgetränk Gin Tonic.

Irgendwann lässt sich Frontmann Schubert beim Crowdsurfing von den Händen der Fans durch die Halle tragen. Sein Kollege Rech hatte von Kassel nicht zu viel versprochen. „Wir werden das erste Mal mit euch nie vergessen“, sagt Schubert, bevor er „Stadt ohne Meer“, die Hymne auf seine Heimat Gießen, anstimmt. Die Uni-Stadt ist zwar „hässlich und grau“, wie es im Text heißt, nach diesem Abend würde man aber glatt hinziehen.

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