Der Bund berät in Kassel künstlerisch tätige Existenzgründer

Kreativ Geld verdienen

Norman Schulz Foto:  nh

Kassel. Norman Schulz ist im Auftrag der Bundesregierung unterwegs. Sein Job: „Ideen grillen“. So nennt das der Berater, wenn er mit einem Existenzgründer aus der Kreativbranche dessen Geschäftskonzept kritisch durchgeht. Dieses „Grillen“ kann beim Selbstständigmachen hilfreich sein, sagt er, weil die Idee dabei mit wirtschaftlichem Blick auf Herz und Nieren geprüft wird, und weil das Durchsprechen in einem Rahmen stattfindet, in dem die Gründer keine Angst vor Konkurrenz haben müssen.

Das Wirtschaftsministerium und der Kulturbeauftragte des Bundes haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Kreativwirtschaft als wichtige Branche mit über einer Million Arbeitsplätzen stärker zu fördern, die Leistungen der 237 000 Unternehmen in der Branche mit einem Jahresumsatz von über 131 Milliarden Euro stärker herauszustellen.

Schulz ist seit knapp drei Monaten ein Außenposten dieser Initiative. Er arbeitet beim Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes in Eschborn und ist Regionalbeauftragter für das Bundesland Hessen (außerdem für Saarland und Rheinland-Pfalz). Einmal im Monat bietet der 37-Jährige Beratungsgespräche in Kassel an. Man trifft sich in der Nachrichtenmeisterei hinter dem Kulturbahnhof - an einem Ort also, an dem sich bereits mehrere Unternehmen der Branche angesiedelt haben. Der Berater will bewusst nicht in irgendeiner Büroetage sitzen und warten, bis mal einer kommt und Hilfe sucht. „Wir sind lieber ein mobiles Verfolgungskommando, das sich mit den Interessenten nach deren Bedürfnissen an einem sexy Ort trifft.“ Ein Gespräch dauert 90 Minuten und ist kostenfrei. Angesprochen sind „alle, die mit ihren kreativen Ideen Geld verdienen wollen, die sich eine Existenz aufbauen oder ihre schon vorhandene freiberufliche Existenz erweitern wollen“.

Zur Branche gehören laut Ministeriumsdefinition Architekten, alle, die mit Büchern zu tun haben, Designer, Filmemacher, Bildende Künstler, Musiker, Journalisten, Softwareentwickler und Werber.

Neben dem „Ideen grillen“ steht Norman Schulz auch bereit, noch vage Überlegungen zum Selbstständigmachen zu konkretisieren. Er weiß, wo es Fördertöpfe, Mikrokredite oder Bürgschaften für Kredite gibt. Viele kreativ Tätige tun sich schwer, so seine Erfahrung, das eigene künstlerische Tun aus unternehmerischer Sicht zu betrachten.

Ein auch Regie führender Schauspieler fand zum Beispiel keinen Agenten, der ihm Auftritte vermittelte. Schulz schlug vor, dass er das Auftritt-Verkaufen wie eine Theaterinszenierung betrachten solle. Das könne er schließlich. Und beim Schauspieler sei der Knoten geplatzt, er wurde sein eigener Agent.

Nächste Termine in Kassel: 16.8. und 21.9., Anmeldungen bei Norman Schulz, Tel. 06196 970 224, Mail: schulz@rkw.de

Von Bettina Fraschke

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