Kreatives Ratatouille: Joern and the Michaels im Theaterstübchen

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Ungezwungene Leidenschaft: Joern and the Michaels sind Michael Linke (von links), Michael Haupt und Jörn Peeck.

Kassel. Im Theaterstübchen in Kassel stellten Joern and the Michaels ihre neue CD vor. Es war ein Auftritt voller Virtuosität und Leidenschaft.

So kann man Kritikern auch schon mal den Wind aus den Segeln nehmen: Indem man im Booklet der aktuellen CD die unangenehmen Fragen, die sich eventuell nach einem Hörerlebnis ergeben könnten, einfach mal selbst stellt. Damit formuliert man die eigenen Selbstzweifel, stellt klar, dass man sich aber davon nicht irritieren lassen will, und öffnet sich auf eine sympathische Art einem breiten Publikum.

Bei der Band Joern and the Michaels liest sich das auf dem Digipack ihres neusten Werkes mit dem Titel „Yeah, oh yeah“ wie folgendermaßen: „Was soll das? Dieser pseudo-intellektuelle Affentanz ist doch kein Jazz!“ Am liebsten würde man darauf antworten: „Muss es doch auch nicht.“ Denn das Trio um den Schlagzeuger Jörn Peek hat es eigentlich nicht nötig, in einer Schublade Zuflucht zu suchen.

Abgesehen von der logistischen Notwendigkeit, sich für Auftritte mit einem Oberbegriff bewerben zu müssen, lebt ihre Musik von der Begeisterung für universelle Inspirationsquellen. Das sich daraus ergebene kreative Ratatouille triumphiert mit ungezwungener Leidenschaft und virtuoser Naivität über den professionellen Pragmatismus manch gestandener Jazzformation.

Bei ihrem Konzert im sehr gut besuchten Theaterstübchen vermischte sich Aufgeregtheit und Spielfreude zu einem Klangerlebnis mit kleinen atmosphärischen Schwächen. Vielleicht sollte Bassist Michael Haupt über den Einsatz eines Fretless- und Kontrabasses nachdenken, denn bei einigen Kompositionen stieß er mit seinem Sting-Ray-Viersaiter bei der Suche nach der optimalen Frequenz an seine Grenzen. Wenn man bei dem jungen Pianisten Michael Linke und Drummer Jörn Peek, die beide auf technisch hohem Niveau agierten, etwas anmerken könnte, dann nur die noch fehlende Identität bei ihren solistischen Einwürfen. Man kann nur hoffen, dass sich Joern and the Michaels nicht so schnell vom Mainstream einfangen lassen und weiter auf vertrackte, unorthodoxe und verblüffende Arrangements setzen. Großer Applaus.

Von Andreas Köthe

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