Krieg im Sandkasten: Beklemmendes Stück des Staatstheater-Jugendclubs

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Überzeugende jugendliche Schauspieler: Sophia Pianowski (von links), Nathalie Siebert, Sophia-Laura Korbach und Angelique Pluquett.  

Kassel. Neele ist tot. Dabei wollte sie nur dazugehören. Die Clique hat sich einen Spaß daraus gemacht, sie zu quälen. Sie ließen sie immer neue Aufgaben bewältigen: Neele rannte über die Schnellstraße, die Jugendlichen schlugen sie und drückten Zigaretten auf ihr aus – nur so aus Spaß.

Und sie hat alles mit sich machen lassen. Schließlich musste sie über ein Gitter balancieren. Die Jugendlichen bewerfen sie dabei mit Steinen und lachen. Neele verliert das Gleichgewicht. Neele fällt. Neele ist tot.

Diese bedrückende Szene stammt aus dem neuen Stück „DNA“, das Peter Elter (sonst Schauspieler am Staatstheater Kassel) am Samstag mit dem Theaterjugendclub 16+ im Theater im Fridericianum (tif) inszeniert hat. In einer beeindruckenden Leistung des noch jungen Ensembles entstand vor dem Publikum im ausverkauften Haus das Bild einer abgestumpften, gefühllosen Jugend, die nur noch etwas empfinden kann, wenn sie Gewalt und Aggression auslebt.

Dabei gelang es den jugendlichen Schauspielern, die Nuancen der verschiedenen Charaktere im Stück von Dennis Kelly überzeugend darzustellen: Meike (Lisa-Marie Meise), die nur an ihre Karriere als Zahnärztin denkt und Medikamente nehmen muss; die empfindsame Lea (Nathalie Siebert), deren Worte angesichts von Tod und Aggression wirkungslos verhallen, und Pia (Phaea Koricyk), die den Inbegriff des Abgestumpftseins verkörpert und der Clique ihre Befehle erteilt.

So bleiben einige Szenen im Nachklang dieses Stückes zurück: Kathie (Sophie-Laura Korbach), die ihr kleines Tier in einer Plastikbox mit auf den Spielplatz nimmt, auf dem sich die Jugendlichen treffen (Bühnenbild: Annely Kozuschek). Sie hat es mit einem Schraubenzieher ermordet. „Alle sind glücklich, die Trauer macht glücklich“, sagt sie.

Das Mädchen Neele (Jessica Beckmann; überzeugend, aber etwas unglücklich in einer Doppelrolle), das im Sandkasten steht, und von den anderen Jugendlichen in einer Welle der Aggression mit rotem Sand beworfen wird. Lea, die sich verletzt, indem sie ihren Kopf auf die Kante des Sandkastens schlägt. Das Publikum dankte dem Ensemble mit ausgelassenem Applaus.

Von Yvonne Albrecht

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