Krieg am Schachbrett: Die Gruppe VIMU im Kasseler Kunstverein

Souveränes Ensemble: Ji-Youn Song (von links), Stefan Hülsermann und Olaf Pyras im Kunstverein. Foto: Zgoll

Kassel. Draußen erstrahlte friedlich die Kasseler Königsstraße im weihnachtlichen Glanz, während drinnen, in einem kleinen Saal des Fridericianums, der Krieg tobte.

Zumindest in der Vorstellung der dreißig Besucher des von dem Kasseler Kunstverein veranstalteten Projektes „VIMU - Chess pieces by John Cage“, deren Akteure mit Videoeinspielungen, Musik und einem Schachduell eine abstrakt formulierte Emotionalität der Eroberung des Raumes präsentierten. Als Trio Omphalos interpretierten dabei der Schlagwerker Olaf Pyras, die Pianistin Ji-Youn Song und Stefan Hülsermann an der Klarinette den 1944 von dem amerikanischen Künstler-Komponisten John Cage auf einer schachbrettähnlichen Kalligrafie entwickelten Songzyklus „Chess Pieces“.

Parallel dazu zeigten die Künstler Isabel Paehr und Joel Baumann Videosequenzen alter Kartenausschnitte früherer Kriegsschauplätze in der Nähe Kassels, während sich zwei Schachspieler am Brett ein hart umkämpftes Duell lieferten.

Diese drei gleichzeitig bespielten Aktionsflächen sorgten für eine überaus interessante Einflugschneise in das Thema Krieg. Da wurde nicht mit atonaler Wucht oder depressiver Melancholie die Opferperspektive beleuchtet, sondern eher mit kühler Ästhetik die sinnliche Freude an logischen Konstellationen und der Lösung von Problemstellungen, die Feldherren innewohnt.

Ein fast friedlicher Prozess der konstruierten Vernichtung und Eroberung, der nur partiell von leicht entfremdeten Klängen des präparierten Flügels oder aufschreckenden Gongschlägen unterbrochen wurde.

Selbst Dissonanzen und hartnäckige Ostinati konnten die Ausgeglichenheit bei dem Planungsprozess der Zerstörung nicht irritieren. Dem Ensemble kann man nur ein großes Kompliment für diese gelungene Bearbeitung aussprechen, und der lang anhaltende Applaus des Publikums belohnte die Künstler für eine großartige Aufführung.

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