Krim-Krise im Roman: Thriller-Autor Tom Clancy als Prophet

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Autor Tom Clancy

Die westliche Welt ist besorgt. „Russland greift aktiv in die inneren Angelegenheiten der Ukraine ein und die Drohung eines russischen Militäreinsatzes gegen das Land hängt wie eine dunkle Wolke über allen Köpfen“, beschreibt der US-Botschafter in der Ukraine, Keith Bixby, die Situation. „Die Krim steht kurz davor zu explodieren.“

Was klingt wie eine ziemlich realistische Einschätzung der aktuellen Lage, ist in Wahrheit Fiktion. Bixby ist eine Figur im neuen Buch des US-Bestseller-Autors Tom Clancy, das er kurz vor seinem Tod im vergangenen Oktober beendete. Das in den USA im Dezember erschienene „Command Authority“ (Befehlsgewalt) handelt von einem russischen Übergriff auf die Krim - und wirkt im Nachhinein wie ein prophetisches Vermächtnis des im Alter von 66 Jahren gestorbenen Meisters des Politthrillers. Im kommenden Winter soll das Buch nach Plänen des Heyne-Verlags auch auf Deutsch erscheinen.

Auf mehr als 700 Seiten malt Clancy ein düsteres Bild: Der russische Präsident Valeri Volodin, Herrscher über ein quasi diktatorisches Regime, hat seine Arme unaufhaltsam nach der Krim ausgestreckt. „Er weiß, dass es schwierig wird für ihn, sobald die Ukraine in die Nato eintritt. So wie er es sieht, muss er schnell handeln“, lässt Clancy einen Experten sagen. Viele Kritiker warfen dem Autor stets die Verherrlichung des Militärs sowie eine Schwarz-Weiß-Sicht auf Gut und Böse vor.

Die Parallelen zwischen dem echten Kreml-Chef Wladimir Putin und Clancys Figur Volodin sind unverkennbar. Volodin wird als „kleiner Mann, nur 1,72 Meter, aber fit und energetisch“ beschrieben. Die westliche Welt, allen voran Clancys US-Präsident Jack Ryan, zeigt sich zutiefst besorgt, kann Volodin aber zunächst nichts entgegensetzen.

Clancy beschreibt die Konflikte zwischen den pro-russischen und pro-westlichen Bevölkerungsgruppen in der Ukraine, die Beweggründe Russlands und die Ohnmacht des Westens so genau, dass einem das Buch wie eine Analyse der aktuellen Vorgänge vorkommt. Nicht alles, was in „Command Authority“ steht, ist aber eingetroffen - zumindest bislang. So greift Clancys russischer Herrscher Volodin auch Estland an, wird aber von der Nato abgewehrt.

Später kappt er alle Gasleitungen nach Westen und lässt eine ukrainische Politikerin, die unverkennbar Parallelen zur ukrainischen Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko aufweist, umbringen, um Unruhe ins Land zu tragen. Auch ein Referendum auf der Krim gibt es nicht, sondern Russland marschiert erfolgreich mit Militär ein. Die Nato versucht daraufhin, mit gezielten Schlägen dagegenzuhalten.

Eine Lösung für den Konflikt hat auch Clancy nicht zu bieten. Jedoch findet sein US-Präsident Ryan - ohne das Ende des Buches vorwegnehmen zu wollen - eine Möglichkeit, Volodin unter Druck zu setzen. (dpa)

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