Krimifestival: Mordsstimmung in München

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Auch Frank Schätzing lässt sich das Krimifestival nicht entgehen.

München - Drogenbosse, Top-Terroristen und Serienmörder werden die Kriminalitätsstatistik der bayerischen Landeshauptstadt in ungeahnte Höhen schnellen lassen - zumindest in der Fantasie.

Denn vom 9. bis zum 30. März wird München zur Hauptstadt des literarischen Verbrechens. Das achte Krimifestival München lockt rund 70 hochkarätige Autoren wie Frank Schätzing und Leonie Swann aus Deutschland, Deon Meyer aus Südafrika oder Tarquin Hall aus Indien in die Isarmetropole.

Mordsstimmung ist garantiert. Allein die “Tatorte“ der etwa 60 Lesungen dürften bei den erwarteten 10 000 Krimifans für Gänsehaut sorgen. In der Großraumzelle des Münchner Polizeipräsidiums verteilt etwa Simone Buchholz “Knastpralinen“ und H.P. Karr liest Ruhrpott- Krimis (30.3.). Im Schießkeller des Landeskriminalamts nimmt Autor Horst Eckert am 11.3. religiöse Fanatiker ins Visier und stellt sich anschließend einem Kreuzverhör mit einem Experten für Staatssicherheit und Terrorismus. Und im Sektionssaal des Instituts für Rechtsmedizin werden dieses Mal keine Leichen seziert, sondern Bücher, sagte Veranstalter Andreas Hoh am Montag in München.

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Theodor Mommsen (1817-1903) erhielt 1902 den Preis für seine "Römische Geschichte“. © dpa
Rudolf Eucken (1846-1926) erhielt 1908 den Nobelpreis für eine in zahlreichen seiner Werke vertretene ideale Weltanschauung. © dpa
Paul von Heyse (1830-1914) erhielt 1910 den Nobelpreis für das "von Auffassung geprägte Künstlertum". © dpa
Gerhart Hauptmann (1862-1946) erhielt 1912 den Nobelpreis für seine "reiche, vielseitige, hervorragende Wirkung auf dem Gebiet der dramatischen Dichtung". © dpa
Thomas Mann (1875-1955) erhielt 1929 den Nobelpreis für Literatur für seinen ersten Roman „Buddenbrooks“. © dpa
Hermann Hesse (1877-1962) erhielt 1946 den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk. © dpa
Nelly Sachs (1891-1970) erhielt den Nobelpreis für Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren.“ © dpa
Heinrich Böll (1917-1985) erhielt 1972 den Preis “für eine Dichtung, die durch ihre Verbindung von zeitgeschichtlichem Weitblick und liebevoller Gestaltungskraft erneuernd in der deutschen Literatur gewirkt hat“. © dpa
Günter Grass (1927) erhielt 1999 den Preis, „weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. © dpa
Die in Rumänien geborene Herta Müller (1953) ist die neue Nobelpreisträgerin. Die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm begründete ihre Auswahl unter anderem mit der Reinheit der Dichtung, die Müllers Werken innewohne. Müller zeichne "mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit". © dpa

US-Autor Cody McFadyen präsentiert hier seinen neuen Thriller “Ausgelöscht“ (19.3.). Jutta Profijt interessiert, was “Im Kühlfach nebenan“ vor sich geht und Claudia Puhlfürst ist einem “Ungeheuer“ auf der Spur. Begleitet von einem Rechtsmediziner gibt am 15.3. Mordermittler Josef Wilfling Einblicke in die “Abgründe“, die aus Menschen Mörder werden lassen. “Zu Hause im stillen Kämmerchen blickt man gerne in Abgründe, die man selbst nicht erleben will“, erklärt sich Veranstalter Andreas Hoh die große Beliebtheit der Kriminalliteratur.

Krimifestival im Internet

In Deutschland ist nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jedes fünfte verkaufte Belletristikbuch ein Krimi. Rund 700 neue Grusel-Schocker erscheinen pro Jahr im deutschsprachigen Raum - laut Krimifestival-Veranstalter Hoh nimmt die Nachfrage nach spannendem Lesestoff seit acht Jahren ständig zu. Grund dafür könne sein, dass Krimis insgesamt besser werden und auch aktuelle gesellschaftspolitische Strömungen vermitteln. “Krimiautoren setzen aktuelle Themen sehr schnell um“, stellt Hoh fest. Peter Probsts Krimi-Debüt “Blinde Flecken“ zum Beispiel beschreibe sehr gut, wie Gewalt in Jugendlichen entstehen könne. Am 10.3. diskutiert der Drehbuchautor zusammen mit Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) und der Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, über Jugendgewalt und Zivilcourage.

Nicht nur hochaktuell sind Krimis, sie laden auch zum Eintauchen in fremde Welten ein, meint Hoh. Die “Südafrikanische Kriminalnacht“ mit Roger Smith und Deon Meyer (12.3.) etwa sei der Beitrag des Krimifestivals zur Fußball-WM. “Es wird sehr blutig und brutal - in Südafrika ist nicht nur Sonnenschein und Traumschiff“, sagt der Veranstalter. In die Glamour-Welt von Hollywood entführt dagegen Daniel Depp. Der ältere Bruder des Schauspieler-Stars Johnny Depp beleuchtet am 18.3. “Die Stadt der Verlierer“ Los Angeles aus der Perspektive eines Insiders.

Manchmal lauert das Fremde jedoch vor der eigenen Haustüre: Bayern-Krimis boomen. “Tegernseer Seilschaften“ entspinnen sich in Jörg Steinleitners Krimi rund um den idyllischen Alpensee. Am 10.4. lädt der Autor auf den Wallberg ein. Den “Tatort Starnberger See“ erkunden bayerische Autoren auf einer mörderischen Dampferfahrt am 18.7.. Und auch München ist verseucht: Das Verbrechen reicht bis ins Grünwalder Stadion und die Redaktion der Abendzeitung. “Nur gut, dass diese Blumen des Bösen reine Fantasiegebilde sind und weit abseits der Wirklichkeit blühen“, schreibt Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) in einem Grußwort. Nur die fast hundertprozentige Aufklärungsrate der Kriminalromane würde er sich auch für Deutschlands sicherste Großstadt wünschen.

dpa

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