Kritik zum neuem Album Black Friday

Bushidos Wut auf die ganze Welt

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Erneut an der Chartspitze: Bushido mit seinem neuen Album „Black Friday“.

Bushido hat es geschafft: Mit seinem neuen Album „Black Friday" hat er die Spitze der Albumcharts übernommen. Es ist bereits das achte Nummer-eins-Album des Berliners. Seine Wut-auf-die-ganze-Welt-Songs kommen an.

Schon im titelgebenden Stück macht der Gangsta-Rapper klar, dass er neue Opfer gefunden hat: Veganer und Hipster. „Wir stürmen maskiert deine Veganer-WG, denn du bist ein Hurensohn auf einer Skala bis zehn“, heißt es schon in den ersten Zeilen, und das ist noch eine vergleichsweise harmlose Textpassage.

Sonst geht es wie gewohnt zu: Bushido motzt und meckert, singt in fast allen Songs von Hurensöhnen, gefickten Müttern, von Dealern und Fotzen („Fallout“), Missgeburten („So lange“) und seinen dicken Eiern („Echte Berliner“). Mit Beleidigungen geizt er nicht und „fickt das Grundgesetz“.

So schäbig in der Wortwahl, so vorhersehbar und - ob der inhaltlichen Wiederholungen und des mangelnden Sprachwitzes - damit langweilig sind die Texte. Viel Neues oder gar Originelles ist dem 38-Jährigen nicht eingefallen. Einzige Überraschung, das Lied „Oma Lise“. Seiner an Krebs verstorbenen Mutter widmet er eine Rap-Ballade und zeigt, dass er auch sanft und respektvoll kann. Das ist nach all der Gewalt anrührend. Und: Vermutlich hat Bushido dieser Text mehr Mut gekostet, als der gefrustet-aggressive Gangsta-Einheitsbrei. „Es gibt keine Rolle. Das bin alles ich: der Typ, der diese harte Musik macht, und der, der morgens die Kinder in die Kita fährt“, hat Anis Ferchichi, wie er eigentlich heißt, in einem Gespräch mit der „Zeit“ betont. Seit 2012 ist er mit Sarah Connors Schwester Anna-Maria verheiratet. Das Paar hat drei Kinder. Wie eine Entschuldigung an sie klingt „Papa“. In dem an seine Kinder gerichteten Song erklärt er, warum er anders ist als andere Väter: „Weil Papa in seinen Liedern böse Sachen sagt, denkt die ganze Nachbarschaft, dass er auch böse Sachen macht.“ So einfach geht es zu in Bushidos Welt. Die Schuld haben die anderen. Reflexion (fast) Fehlanzeige.

„Ich bin ein Arschloch“, rappt er über sich. Auch das gehört zum Gangsta-Image. Ebenso wie die Meldungen darüber, dass er Kontakte zur Mafia haben soll und die Songs über seine Feinde, denen er droht, sie „auszupusten“. All das braucht sie, die Bushido-Show, damit der Rapper weiterhin „schwarze Hände vom Geldzählen“ („Sodom und Gomorrha“) bekommt. Musikalisch weiterentwickelt hat er sich aber nicht, es gibt keine raffinierten Wendungen. „Hier rappen 20 Jahre Relevanz“, hört man ihn von sich geben und es klingt, als sei er nach zwei Jahrzehnten gelangweilt vom eigenen Schaffen. Ernüchternde Erkenntnis nach 28 Titeln: Wenn das ausreicht, um einer der größten deutschen Rapper zu sein, hat man es wohl wirklich geschafft.

Bushido: Black Friday (Bushido)

Wertung: zwei von fünf Sternen

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