Kritik zum Ludwigshafener Tatort: Zu viel Gebabbel

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Zuletzt steckte die Ludwigshafener "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal in der Lebenskrise. Nun musste sie selbst in der Reha einen Mord aufklären. Der Ludwigshafener "Tatort" ist weiter in der Krise, findet unser Kritiker Matthias Lohr.

Selbst in der Reha kann Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) nicht abschalten. Nachdem ein Pferdepfleger ermordet wurde, holt ein Polizist die krisengeplagte „Tatort“-Ermittlerin aus der Selbstfindungskur. Odenthal fragt, woher er weiß, dass sie hier ist. „Wir sind auf dem Land, da redet man“, antwortet er.

Dabei wäre weniger Reden keine schlechte Idee in Ludwigshafen, wo alles Gesehene immer noch mal nacherzählt wird. Auch die sehr durchschnittliche Folge „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ von Regisseur Patrick Winczewski bot Dialoge, die man schon viel zu oft gehört hat. Frau: „Pferden kann man vertrauen.“ Odenthal: „Menschen nicht?“ Frau: „Doch, da habe ich nie drüber nachgedacht.“

Man fragt sich, worüber Autor Harald Göckeritz so nachdenkt, wenn er einen Plot mit lauter Figuren aus dem Drehbuchbaukasten ziemlich grob zusammenhämmert. Da gab es etwa diesen jungen Mann, den alle für einen Psycho hielten. Seine Mutter hatte ihn ins Heim geschickt, später machte er eine Reittherapie und nun schlitzte er Pferde auf. Dabei sehnte er sich doch nur nach ein bisschen Liebe.

Es war erstaunlich, was Ben Münchow aus diesem holzschnittartigen Charakter herausholte. Von der neuen Ermittlerin Johanna Stern (Lisa Bitter) wünscht man sich, demnächst noch mehr zu sehen. Odenthal hingegen beklagte sich bei ihrem Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe), dass sie wie ein altes Ehepaar seien. „Was ist denn daran schlimm?“ fragte Kopper. Genau. Alte Ehepaare können sich immer noch lieben, ohne viel zu reden.

Was sonst noch gesagt werden muss: Dass jede Nebenrolle diesen grässlichen Pfälzer Dialekt sprechen muss, ist gelinde gesagt ein Verbrechen.

Von Matthias Lohr

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