Kritik zum Berliner "Tatort": Überforderte Zuschauer

+

Die erste Folge des Berliner „Tatorts“ war vielversprechend, der zweite Teil jedoch kam zu spät, meint unser Redakteur Mark-Christian von Busse.

Figuren, Timing, Atmosphäre, Schauspieler, Fall – an diesem zweiten Berliner „Tatort: Ätzend“ der Autoren Stephan Wagner und Mark Monheim und von Regisseur Dror Zahavi hat ganz vieles gestimmt. Die so unterschiedlichen Ermittler – die kesse Nina Rubin (Meret Becker) und der kühle Robert Karow (Mark Waschke) – in ihrem ziemlich zerrütteten Verhältnis zueinander bringen eine neue Facette in die Riege der „Tatort“-Kommissare, Karow mit seinem angedeuteten schwulen Techtelmechtel und Rubin in ihrem deutsch-jüdischen Familienchaos ohnehin.

Die tragische Geschichte um die illegal in Berlin lebende Familie Merizadi war plausibel erzählt. Und doch hinterlässt dieser Krimi einen zwiespältigen Eindruck. Wenn das deutsche Fernsehen das in US-Serien zur Perfektion gebrachte „horizontale Erzählen“ ausprobiert, also Handlungsstränge über mehrere Folgen entfaltet und entwickelt, ist das mutig und richtig.

Nur: Hier war die Zeit zwischen dem ersten Berliner Fall vom März bis zur nun gezeigten Fortsetzung schlicht zu lang; da halfen auch die Schwarz-Weiß-Rückblenden am Anfang nicht. Als Zuschauer war man restlos überfordert damit, alle Zusammenhänge nachzuvollziehen und sämtliche Spekulationen zu verstehen. Kämen solche Berliner „Tatorte“ im Wochentakt, wäre alles gut. Dieser war zu anspruchsvoll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.