Kritik zum Frankfurter Tatort: Angst kroch in jede Pore

An diesem Sonntagabend ermittelten die Frankfurter Hauptkommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch). Unser Kritiker Mark-Christian von Busse findet den neuen Fall ungeheuer spannend.

Psychotherapeuten dürften sich über den Frankfurter „Tatort: Die Geschichte vom bösen Friederich“ geärgert haben. Zu oberflächlich-klischeehaft gezeichnet war die Figur der hörigen Psychologin Helene Kaufmann (Ursina Lardi), die dem schlauen Psychopathen Alexander Nolte – geblendet und manipuliert von dessen Charme und Eloquenz – zur Freiheit verhalf.

Dem Gesamteindruck dieses ungeheuer spannenden „Tatort“ (Buch: Volker Einrauch) tat das keinen Abbruch. Regisseurin Hermine Huntgeburth zog nicht nur Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) – auf sie hatte es der so grausam perfide, sadistisch agierende Narzisst abgesehen –, sondern auch dem Zuschauer den Boden weg. Sie schaffte es, dass Angst in jede Pore kroch, hielt den Fall genial in der Schwebe zwischen Realität und Einbildung, Objektivität und Ahnung, Wissen und Vertrauen. Auch Jannekes Kollege Paul Brix (Wolfram Koch) war gefordert, auf diesem schmalen Grat Balance zu halten.

Nicholas Ofczarek, der dem Wiener Burgtheater-Ensemble angehört, spielte den schillernden, besessenen „Dämon“ unfassbar gut – dem von Lars Eidinger so erschreckend großartig verkörperten Kieler „Tatort“-Psychopathen Kai Korthals steht seine Figur jedenfalls in nichts nach. Zudem nahm dieser „Tatort“ eine wichtige Debatte auf: Wie geht die Gesellschaft mit gefährlichen Tätern um? Mehr kann ein TV-Thriller kaum leisten.

Rubriklistenbild: © hr

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