Kritik zum Münchener Tatort: Alkohol macht hohl

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Ivo Batic (Miroslav Nemec). Foto: dpa

Der Münchner "Tatort" gehört zu den besten Standorten der ARD-Krimireihe. In der Jubiläumsfolge konnten Ivo Batic und Franz Leitmayr das hohe Niveau leider nicht halten, findet unser Kritiker Matthias Lohr.

Diesen „Tatort“ sollten sich alle Drehbuchschreiber noch einmal anschauen. Nicht weil er so außerordentlich gut gewesen wäre, sondern weil er eine wichtige Erkenntnis lieferte. „Alkohol macht Birne hohl“, sagte ein Polizist angesichts des Münchner Oktoberfests. „Alkohol macht Birne hohl“, sagte ein Polizist angesichts des Münchner Oktoberfests. Zu viel Alkohol hat auch schon dem einen oder anderen „Tatort“-Autor die Birne verhagelt - anders sind manche Krimis nicht zu erklären. „Die letzte Wiesn“ nun, der 70. Fall von Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), war, ganz nüchtern betrachtet, Durchschnittsware. Die sehr konventionell erzählte Geschichte der Autoren Stefan Holtz und Florian Iwersen um den U-Bahn-Fahrer, der Wiesn-Besucher mit Liquid Ecstasy vergiftete, war mäßig spannend. Regisseur Marvin Kren inszenierte das Volksfesttreiben mal in hübsch verwischter Tilt-Shift-Ästhetik, mal etwas gewollt als Kunstfilm mit Tauben auf dem Totenbett.

Es ging ums große Geld und kleine Fehler von allein erziehenden Müttern. Mal lief Helene Fischer, mal harter Techno. Von allem kann einem der Schädel brummen. Eine Werbung für das Oktoberfest war der „Tatort“ nicht. Kellnerin Ina (Mavie Hörbiger) gestand: „Ich trage Radlerhosen, weil die Idioten mir zwischen die Beine greifen.“ Ohne die ganze Sauferei, so könnte die Botschaft lauten, wäre die Welt ein friedvoller Ort. Man versteht jetzt noch besser, warum Münchner wie Leitmayr Mitte September ihre Wohnungen vermieten und nach Italien reisen. Warum der Polizist den schwedischen Untermieterinnen ein „Happy Beerdrinking“ wünschte, wird einem aber auch nach der dritten Maß nicht klarer.

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