Ernüchternd und wichtig: Der NDR-Tatort "Verbrannt"

Der tolle NDR-Tatort tat das, was Krimis viel zu selten tun: kritische Fragen aufwerfen - in diesem Fall zum Rassismus. Eine Kritik von Matthias Lohr.

Es gibt „Tatort“-Folgen, die sind saukomisch, andere spannend und einige verschwendete Lebenszeit. Die tolle NDR-Folge „Verbrannt“ wiederum machte einen wütend. Denn den Fall, in dem die Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ermittelten, gab es wirklich: 2005 verbrannte der Asylbewerber Oury Jalloh aus Sierra Leone in einer Gefängniszelle in Dessau, wo ihn Polizisten an eine Liege gefesselt hatten.

Der routinierte Autor Stefan Kolditz und der Jungfilmer Thomas Stuber machten aus dem wahren Plot eine fiktive Geschichte in Salzgitter, die sehr aktuell ist. Viele der Argumente hört man so oder ähnlich auch in der Flüchtlingsdebatte.

„Wir sind im Krieg. Was wir brauchen, ist Sicherheit“, stellte der Leiter der Polizeistation fest. „Die saufen auf unsere Kosten“, sagte eine Supermarktkassiererin über die Flüchtlinge. Das Wort „Neger“ fiel ein Dutzend Mal.

Die Handkamera dokumentierte intensiv die Polizeiarbeit. Auch die hoffnungslose Ödnis der niedersächsischen Provinz wurde in grandiosen Bildern eingefangen. Selten war ein „Tatort“ so ernüchternd.

Das Beste aber ist, dass der Film Fragen stellt über Rassismus und sich einmischt. Das passiert viel zu selten. Einer der Dessauer Polizisten übrigens wurde wegen fahrlässiger Tötung nur zu einer Geldstrafe verurteilt. Das macht einen noch wütender.

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