Fehlende Höhepunkte

Kritik zum "Polizeiruf 110" aus Magdeburg: „Abwärts“ im Abseits

Matthias Lohr

"Abwärts" im Abseits: Der Magdeburger "Polizeiruf" bot tolle Schauspieler aber eine lahme Geschichte, findet Matthias Lohr.

Nach 90 Minuten "Polizeiruf 110" aus Magdeburg war man froh, dass beim Sonntagskrimi keine Fußballregeln gelten. Im Fall einer Verlängerung wäre man sicher eingeschlafen - so spannungsarm plätscherte der Krimi von Regisseur und Autor Nils Willbrandt über weite Strecken dahin. Sein größter Verdienst ist es, daran erinnert zu haben, dass es doch ein Leben nach der WM gibt. Es stellt sich aber die Frage, ob dieses Leben nicht zu gefährlich ist. Man möchte jedenfalls keine Straßenbahn mehr fahren.

"Abwärts" war der x-te TV-Krimi, der sich um schlagende Jugendliche und einen Mord im öffentlichen Personennahverkehr drehte. Das ist die eine Folge der Krimi-Inflation, die andere sind fehlende Sendeplätze. So musste die ARD im Hochsommer das winterliche Magdeburg zeigen. Auf die Nacherzählung der Handlung kann man wegen fehlender Höhepunkte verzichten.

"Man of the Match" war zweifellos Peter Jordan, der einen Sozialarbeiter mit vollem Körpereinsatz spielte. Auch die tollen Schauspieler Claudia Michelsen und Sylvester Groth konnten aus dem Stoff nicht mehr herausholen. Die unorthodoxe Kommissarin Brasch und der notorisch schlecht gelaunte Drexler bildeten wie schon beim Debüt im Oktober eine vielversprechende Konstellation.

Hoffentlich ergeht es ihnen nicht wie der deutschen Nationalelf, deren Spieler ebenfalls als Verheißung gelten, aber bislang keinen Titel holten.


Mail an den Autor:  mal@hna.de

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