Kritik zum "Polizeiruf 110": Der totale Verrat

Noch nie war der Münchner "Polizeiruf 110"-Ermittler Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) so auf sich gestellt wie im aktuellen Fall "Sumpfgebiete". Mark-Christian von Busse fand den Krimi exzellent.

Hanns von Meuffels (Matthias Brandt), der kultivierte Kommissar mit Siegelring und üppiger Bibliothek, kann sogar Kraftausdrücke. Und Kollegen an den Kragen gehen. Wie der vornehme Ermittler, dem jeder Körperkontakt zuwider ist, die Kontrolle verlor, entfaltete der Fall „Sumpfgebiete“ vortrefflich.

Der Krimi der Autoren Holger Karsten Schmidt und Volker Einrauch entwickelte einen mitreißenden Sog – bis zum totalen Verrat: Gegen ein verzweigtes Netzwerk des Vertuschens übler Steuertricks kam Meuffels nicht an. Ungewöhnlich die kühne Konstruktion: Eine Observation sorgte für eine unruhig-nervöse Atmosphäre, ohne dass es nötig gewesen wäre, die Umstände aufzuklären. Vorzüglich, wie stimmig dieser „Polizeiruf“ in München verortet war. Brandt verleiht seiner Figur sowieso unverwechselbares Profil. Ein Leckerbissen für Krimi-Feinschmecker.

Problematisch am Münchner „Polizeiruf“, den Filmemacher wie Dominik Graf, Hans Steinbichler und Christian Petzold prägten – diesmal führte Grimmepreisträgerin Hermine Huntgeburth Regie – ist allerdings: Die Kontinuität wird nicht gewahrt. Jedes Mal wird Meuffels in ein neues Umfeld geschmissen. Seine Kollegin Constanze Hermann (Barbara Auer), mit der sich zuletzt eine schüchterne Beziehung anbahnte, kam gar nicht erst vor. Stattdessen gab Ulrich Noethen brillant seinen Vorgesetzten Beck, der Meuffels am Ende im Stich ließ. Wie soll der nun eigentlich weitermachen?

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