TV-Kritik zum "Polizeiruf 110": Raffiniertes Spiel mit Motiven 

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Undurchsichtig: Der Ex-Mann der ermordeten Fabrikantin (Justus von Dohnányi) gehört zu den Hauptverdächtigen.

Bettina Fraschke über den außergewöhnlichen Münchner „Polizeiruf 110: Kreise" von Autorenfilmer Christian Petzold.

Thema mit Variationen ist ein beliebtes Konstruktionsprinzip in der Musik, der großartige Autorenfilmer Christian Petzold („Barbara“, „Phoenix“) nutzt es für seinen intensiven, engmaschig gestrickten „Polizeiruf 110: Kreise“, den er schrieb und inszenierte. Wie alle gelungenen Werke der Kunst ließ sich dieser Sonntagskrimi auf verschiedenen Ebenen betrachten: Er war zunächst ein spannender Krimi, der einen nahezu perfekten Mord präsentierte, bei dessen schwieriger Aufklärung man den Kommissaren gern folgte. Ungewöhnlich war allerdings das extrem ruhige Erzähltempo.

Er war ferner eine Studie in Einsamkeit, bei der Petzold die Menschen oft ins Auto setzte, in diesen mentalen Zustand des Ungebundenseins beförderte, in dem man leichter ins Sprechen kommt. Nur so konnte Constanze Hermann auf den ausgebufften Tathergang kommen. Wie Hermann und Hanns von Meuffels sich dort vorsichtig ins Innere blicken und sogar eine leise Liebelei zuließen – das spielten Barbara Auer und Matthias Brandt wunderbar zurückgenommen. Auch Justus von Dohnányi überzeugte als gedemütigter Ehemann, auch wenn im richtigen Leben sicher niemand mit solch gedrechselten Sätzen spricht.

Nicht zuletzt machte es einfach Freude, die vielen Details zu entdecken, die wie musikalische Motive immer wieder auftauchten: das titelgebende Kreiseziehen, oder der 10cc-Hit „I’m Not In Love“.

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