Kritik zum Polizeiruf: Zu viele Fäden

Alle vier im Einsatz: Charly Hübner (v. l.), Claudia Michelsen, Anneke Kim Sarnau, Sylvester Groth. Foto: ndr

Vier großartige Schauspieler in einem Krimi vereint. Das verspricht Spannung pur. Der Fall "Wendemanöver" war dicht erzählt und stimmig.

Die Handlung hingegen war zu komplex und eine ziemliche Zumutung, wie Mark-Christian von Busse findet:

Natürlich ist es eine Freude, vier so großartige Schauspieler in einem gemeinsamen Krimi zu sehen: die Kommissare aus Magdeburg, Claudia Michelsen als Doreen Brasch und Sylvester Groth als Jochen Drexler, Seite an Seite mit denen aus Rostock, Anneke Kim Sarnau als Katrin König und Charly Hübner als Alexander Bukow – wobei der suspendierte und genervte Bukow („Bukow ... so wie Fuck off“) genauso auf eigene Faust ermittelte, wie Drexler zeitweilig seiner eigenen Wege ging. Und kurz vor dem „Polizeiruf 110“-Ausstieg noch ein schwules Coming-out offenbarte.

Auch atmosphärisch war der überaus dicht erzählte Fall „Wendemanöver“ von Autor und Regisseur Eoin Moore stimmig. Was die Komplexität der Handlung betrifft, halste der Erfinder des tollen Ostsee-„Polizeirufs“ mit seiner Co-Autorin Anika Wangard dem Zweiteiler jedoch zu viel auf. Trotz des starken Cliffhangers, der Spannung vor der Fortsetzung nächsten Sonntag aufbaute – die vielen Figuren und Handlungsfäden waren eine ziemliche Zumutung.

Moore erzählte vor der Ausstrahlung freimütig, dass er bis in die Dreharbeiten hinein am Buch geschraubt und noch an einzelnen Szenen geschrieben habe. Zwei Whiteboards seien nötig gewesen, um den Überblick der Erzählstränge und Schauplätze zu behalten. Diesen Stress an den Flipcharts merkte man Teil eins mit seinen Ungereimtheiten zu sehr an. Wie sich die Ost-West-Verflechtungen auflösen, ob Bukow in die Spur zurückfindet, wie Drexlers Ausstieg inszeniert wird – all das will man natürlich trotzdem wissen. Und nächsten Sonntag wieder einschalten.

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