TV-Kritik zum Kieler Tatort „Borowski und das Fest des Nordens“

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Misel Maticevic spielt den Serienmörder Roman Eggers.

Unsere Volontärin Viktoria Degner hat sich den Kieler „Tatort“ angesehen. Sie meint: Sibel Kekilli zeigte ihre ganze Schauspielkunst in ihrem letzten Fall als Sarah Brandt.

Auf Wiedersehen hat sie ja nicht gesagt – Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im Kieler „Tatort: Borowski und das Fest des Nordens“ (2017, Regie: Jan Bonny). Zumindest nicht explizit. Kekilli ging mit Gebrüll. „Ich mach Sie fertig, Borowski! Ich mach Sie fertig!“, schrie sie ihrem Partner Klaus Borowski (Axel Milberg) entgegen, als der die Gefahr, die von Serienmörder Roman Eggers (Misel Maticevic) ausging, auch zum Ende des Films nicht erkennen wollte. Kein Happy End für das Duo, eher ein Open End. Nach 14 Folgen konnte das Team nicht mehr miteinander, ermittelte nebeneinander, fast gegeneinander. 

Kekilli zeigte ihre ganze Schauspielkunst in ihrem letzten Fall als Sarah Brandt, die gegen den stoischen Borowski, der ohnehin auf einer Metaebene zu schweben schien und ihre Angst vor dem Frauenmörder nicht ernst nehmen wollte, nicht ankam. Er war genervt, die Zuschauer auch irgendwann von ihrer Penetranz, wussten sie doch um die Verzweiflung, die den Täter umgab. Dem folgten die Zuschauer in Nahaufnahmen von Anfang an. Ein brillantes Psychospiel, das seit „Borowski und der stille Gast“ (2015) beim Kieler „Tatort“ kein unbekanntes Phänomen mehr ist. Diesen kaputten Mann, der – ohne Arbeit, ohne Geld, ohne Familie – nur noch ein Schatten seiner Selbst war, hielt die Zuschauer an den Bildschirmen. Seine Blutrünstigkeit war zum Wegschauen, seine Verzweiflung zum Hinschauen.

 Eggers Zerrissenheit, der offene Ausgang des Streits zwischen Borowski und Brandt ließ die Zuschauer zum Ende der Saison aufgewühlt zurück – in Erwartung des nächsten „Tatorts“.

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