Kann man deutschen Zuschauern tatsächlich keine Untertitel zumuten?

Kritik zum RBB-"Polizeiruf 110": Auch Maria Simon kann den Krimi nicht retten

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Vierter gemeinsamer Fall: Die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz).

"Das Beste für mein Kind" hätte ein sehr guter "Polizeiruf 110" über Adoptionen werden können. Doch dann zog sich der RBB-Film wie ein langer ruhiger Fluss an der deutsch-polnischen Grenze entlang. Unsere Kritik.

Ohne Maria Simon wäre man an der deutsch-polnischen Grenze verloren. Selbst wenn sie als Kommissarin Olga Lenski im RBB-„Polizeiruf 110“ laut wird, was so häufig vorkommt wie ein Jahrhunderthochwasser an der Oder, hat sie etwas zutiefst Melancholisches.

Im vierten Fall mit ihrem Kollegen Adam Raczek (Lukas Gregorowicz) wurde sie zur Vertrauensperson einer Mutter, die um ihr entführtes Kind bangte. Wahrscheinlich könnte Lenski als alleinerziehende Mutter der Nation sogar die Berliner Republik durch die Staatskrise führen. Nur die Folge „Das Beste für mein Kind“ konnte sie nicht retten.

Zwar wirkten neben Simon und Gregorowicz mit den Polen Agnieszka Grochowska und Piotr Stramowski weitere hervorragende Schauspieler mit. Zudem zeigte die Geschichte von Regisseur Jakob Ziemnicki und Co-Autorin Elke Rössler um Adoptionen und unerfüllte Kinderwünsche Polen nicht nur als Kulisse, sondern ganz reale Probleme im Osten. Aber dennoch gingen einem die Schicksale der beiden Familien nicht wirklich nahe.

Dazu war der Film zu wenig Psychogramm, sondern zu viel klassische Tätersuche. Auch sonst fehlte den Machern der Mut. Kann man deutschen Zuschauern tatsächlich nicht mehr Untertitel zumuten? Warum muss der polnische Lkw-Fahrer am Ende plötzlich Deutsch reden?

Einmal fiel der Satz: „Die einzige Gewissheit im Leben ist die Mutter.“ Die einzige Gewissheit im RBB-„Polizeiruf“ ist Maria Simon.

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