Der in Nordhessen aufgewachsene Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius wird heute 70 Jahre alt

Ein kritischer, wacher Beobachter

Zu Gast in Frankenberg: F. C. Delius ist Schirmherr des Festivals Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg. Archivfoto: Biedenbach

Als Friedrich Christian Delius vor zwei Jahren mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet wurde, rühmte die Darmstädter Akademie den „kritischen, findigen und erfinderischen Beobachter“. Sie zeichnete einen Autor aus, der seit mehr als 40 Jahren auf hohem künstlerischen Niveau und mit großem aufklärerischen Impetus die deutschsprachige Nachkriegsliteratur bereichert hat. Heute wird Delius, der abwechselnd in Berlin und Rom lebt, 70 Jahre alt.

Delius wurde am 13. Februar 1943 in Rom als Sohn eines Pfarrers geboren und wuchs in Wehrda, Kreis Hünfeld, sowie in Korbach auf, wo er Abitur machte, nachdem er zeitweilig auch die Melanchthon-Schule Steinatal (Schwalm-Eder-Kreis) besucht hatte. Als blutjunger Student nahm er bereits 1964 an der Gruppe-47-Tagung im schwedischen Sigtuna teil. Nach seinem Studium in Berlin, dass er 1971 mit der Promotion abschloss, war er einige Jahre als Lektor tätig.

In der Literaturszene sorgte Delius 1972 zum ersten Mal für Furore - mit der Veröffentlichung des kritischen Prosabandes „Unsere Siemens-Welt“, der eine lange juristische Auseinandersetzung mit dem Konzern auslöste. Fortan hatte Delius mit dem Etikett „politischer Schriftsteller“ zu leben. Doch die Bandbreite seines Œuvres ist gewaltig: Romane, Essays, Satiren, Gedichte und sogar eine Oper.

Sein Roman „Mogadischu Fensterplatz“ (1987) ist noch heute eines der beklemmendsten literarischen Werke über den blutigen RAF-Terrorismus. In seinem vorerst letzten umfangreichen Erzählwerk („Die Frau, für die ich den Computer erfand“, 2009) näherte sich der leidenschaftliche Fußballfan künstlerisch dem Wissenschaftler Konrad Zuse an. Sein gelungenstes, emotionalstes und poetischstes Buch ist jedoch Erzählung „Bildnis der Mutter als junge Frau“ (2006). Darin rekonstruiert der verheiratete Vater zweier Töchter auf äußerst einfühlsame, aber unpathetische Weise einen Nachmittag im Leben seiner Mutter in Rom - vier Wochen vor der eigenen Geburt.

Lesetipp: F. C. Delius: Als die Bücher noch geholfen haben. Biografische Skizzen. Rowohlt, 304 S., 18,95 Euro.

Von Peter Mohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.