Die Fondation Beyeler widmet Jean-Michel Basquiat eine farbenfroh-sinnliche Retrospektive

Die Krone und der frühe Tod

Opulent: Jean-Michel Basquiats Werk „Boy and dog in Jonnypump“ von 1982. Foto:  dpa

Riehen. Wenn ein bildender Künstler mit 27 Jahren stirbt, dann, sollte man meinen, hinterlässt er der Nachwelt ein Oeuvre der eher überschaubaren Sorte. Nicht so Jean-Michel Basquiat (1960-1988). Ein knappes Jahrzehnt Schaffenszeit war dem Sohn eines Haitianers und einer Puertoricanerin vergönnt, ehe eine Überdosis Heroin seinem schillernden Leben ein Ende setzte.

Der Spross des New Yorker Underground kostete diese Zeit aus bis zur bitteren Neige, in furioser Besessenheit. Davon zeugen rund tausend Gemälde und doppelt so viele Zeichnungen, auf Papier, Leinwand, Holzlatten, bisweilen auch auf Kühlschränke oder Eishockeyhelme gebannt. Die meisten von ihnen erblickten nie ein Museum, sondern wurden ihm und seinen Galeristen von enthusiastischen Sammlern aus den Händen gerissen.

Basquiat wurde zum Shooting Star der Kunstszene, der erste Schwarze mit internationaler Durchschlagskraft, 1982 als jüngster Künstler auf die Kasseler documenta eingeladen. Die Fondation Beyeler nahe Basel richtet derzeit, kuratiert von Dieter Buchhart und Sam Keller, anlässlich seines bevorstehenden 50. Geburtstages die erste umfassende Basquiat-Retrospektive auf europäischem Boden aus. Etwa 100 Werke haben sie aus der ganzen Welt zusammengetragen, von früher poetisch-spielerischer Graffiti bis hin zu den komplexen, symbolgeladenen Werken der späten Achtziger, in denen nicht nur die Krone, Basquiats Lieblingsemblem, sondern auch der Tod omnipräsent ist. Bestechend die ekstatische Farbigkeit seiner großformatigen Arbeiten, verschmelzend mit Linie, Schrift und expressiven Figuren, immer wahrnehmbar das Leiden am Rassismus seiner Zeit und die Reflexion der Ursachen sozialer Ungerechtigkeit. In den besten dieser Gemälde korrespondiert prallste Sinnlichkeit mit punktgenauer Analyse.

Fondation Beyerler, zu sehen bis zum 5.9.10. www.fondationbeyeler.ch

Von Verena Joos

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