Uwe Steimle war zu Gast beim Baunataler Sommer

Kross statt knusprig

Warb für einen Austausch zwischen Ost und West: Uwe Steimle brachte Ostalgie nach Nordhessen. Foto: Fischer

Baunatal. „Mir machen uns do iebrhaupt keen Kopp - redn, wie do Schnabl gewachsen is.“ Wohl kaum ein Dialekt wird so belächelt und sorgt gleichzeitig für so viele Lacher wie die sächsische Mundart. Ein waschechter Sachse fand am Freitagabend beim Baunataler Sommer auch in Nordhessen ein begeistertes Publikum. Der gebürtige Dresdener Schauspieler und Komödiant Uwe Steimle warb mit viel Humor für einen Austausch zwischen Ost und West.

Erste Skepsis ob des angekündigten sächsischen Abends und dessen Verständnis war nach wenigen Minuten hinfällig. Uwe Steimle forderte das Publikum auf, bei eventuellen Verständnisschwierigkeiten nachzufragen. Der Dialog zwischen ihm und dem Publikum intensivierte sich im Laufe des Abends und führte zu einer lockeren Atmosphäre.

Günther Zieschong, ein langzeitarbeitsloser Ex-Parteisekretär und Ilse Bähnert, eine verwitwete Rentnerin, agierten von rechts und links mit auf der Bühne. Die Figuren aus der MDR-Serie „Ostalgie“ sind Originale und tauschen sich aus über den Standort Deutschland, die Flutkatastrophe und frische Ware, die es auch ohne Bestellung gibt.

Zwischen den kurzen Geschichten der beiden Ostalgiker gibt Uwe Steimle Episoden zum Besten. Steimle nimmt den deutschen Kleinbürger ernst, alles andere führe nur dazu, das Leben unnötig zu verkomplizieren. Warum etwa müssen die guten alten Kurbrötchen plötzlich Wellness-Semmeln heißen, und warum sind sie jetzt nicht mehr knusprig, sondern kross?

Seine politische Sicht ist glasklar und direkt. Uwe Steimle verstellt sich nicht und schlägt auch mal einen ernsten Ton an. Seine Anliegen: Bildung zu einer zentralen Angelegenheit machen und das Busticket per Gesetz jedem Schüler zur Verfügung stellen. Das Publikum erklatscht zwei Zugaben. Ein Gedicht von Joseph von Eichendorff und die Rede Honeckers zur Übergabe der „einmillionsten Kläranlage über Plan“ - rundum gelungen, ehrlich, gut.

Von Kirsten Ammermüller

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