Wichtiger als der Fußball war diesmal die Liebe

TV-Kritik zum Rostocker "Polizeiruf": Gewalt kann geil sein

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Kommen sich immer näher: Die Ermittler Katrin König (Aneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner)

Der Rostocker "Polizeiruf" traf einen wie eine Faust mitten im Gesicht. Nach dem Krimi über schlagende Fußball-Fans hatte unser Kritiker selbst Lust auf eine Prügelei.

Es könnte sein, dass die Notaufnahmen der Krankenhäuser in der Republik Montagmorgen überfüllt sein werden. Nach diesem sehr guten Rostocker "Polizeiruf" hat man jedenfalls einfach Lust auf eine Schlägerei. Und das schreibt einer, er sich in seinem Leben noch kein einiges Mal geprügelt hat.

In "Einer für alle, alle für Rostock" zeigte Regisseur Matthias Tiefenbacher zum Liebeslied "Love Is Blindless" von U2 eine Keilerei zwischen Fußball-Fans aus dem Hardcore-Bilderbuch. Der Soundtrack war nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Die Geschichte von Autor Wolfgang Stauch handelte zwar von Rostocker Ultras, aber eine sozialempirische Untersuchung über die ganz harten Jungs im Stadion war es nicht. Die Ultras des heimischen Viertligisten KSV Hessen Kassel etwa werden sich über manches Klischee schlappgelacht haben. 

Vielmehr erzählte der Krimi von einer rätselhaften Liebe zwischen dem ehemaligen Ultra-Chef (Lasse Myhr) und seiner Ex-Freundin (Lana Cooper). Der Boulevard wird nun fragen: Wie geil macht Gewalt? Keine Ahnung. Dieser "Polizeiruf" zeigte aber sehr gut, wie Gewalt ein Gefühl von Heimat und Dazugehörigkeit erzeugen kann.

Wie zerstörerisch Gewalt ist, sieht man dagegen den beiden Polizisten an. Katrin König (Aneke Kim Sarnau) versucht nach der Beinahe-Vergewaltigung aus der letzten Folge verzweifelt, ins Leben zurückzufinden. Und Alexander Bukow (Charly Hübner), dessen Sätze einen manchmal hart treffen wie ein Rechtsausleger, ist dabei, an dem Aus seiner Ehe zugrunde zu gehen. Besser wird in keinem anderen Sonntagabendkrimi eine Handlung horizontal über mehrere Folge hinweg erzählt.

Beinahe hätten sich die beiden geschundenen Polizisten sogar geküsst. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie sich beim nächsten Mal im übertragenen Sinn wieder die Köpfe einschlagen. Denn wie stellte Bukow fest: "Ficken ist das Maximum an Romantik in Rostock."

Der Rostocker "Polizeiruf" ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

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