Courtney Love, die berühmteste Pop-Witwe neben Yoko Ono, meldet sich zurück

Der Kuchen war fast alle

Mit ihrem Mann Kurt Cobain war sie das Traumpaar des Grunge: Hole-Sängerin Courtney Love. Foto: Universal

Es gibt diese eine Zeile, die Courtney Love schon vor 16 Jahren sang und die vielleicht auch einmal auf ihrem Grabstein stehen wird. „I want to be the girl with the most cake“. Wenige Monate zuvor hatte sich ihr Mann, der Nirvana-Sänger Kurt Cobain, mit einer Schrotflinte das Leben genommen. Nun nannte die US-Musikerin ihn einen Feigling und sang von sich als dem Mädchen, das das größte Stück vom Kuchen will. Mit dem Album „Live Through This“ ihrer Band Hole wurde Love 1994 selbst zum Superstar, aber eben auch zu einer Schwarzen Witwe, die mitschuldig gewesen sein sollte am Tod der Rock-Ikone.

Gerade ist „Nobody’s Daughter“ erschienen, das erste Hole-Album seit zwölf Jahren. Die gute Nachricht ist nicht, dass es ganz passabel ist. Man hört noch einmal den rauen Grunge-Sound, der die 90er bestimmte, und die melancholischen Balladen, die Love schon immer mit mehr Kraft und Wut sang als andere Sängerinnen. Es ist schön, die Stimme des Riot Girl wiederzuhören - andererseits hätte man auch nichts vermisst, wenn „Nobody’s Daughter“ nicht erschienen wäre.

Die eigentliche gute Nachricht ist, dass die 45-Jährige noch lebt. Vom Kuchen, den sie sich genommen hatte, war zuletzt nicht mehr viel übrig. Die Geschichte ihrer Band war bis zur Auflösung 2002 ein einziger Streit. Vor Konzerten trank Love regelmäßig eine Flasche Bourbon und benahm sich auf der Bühne daneben.

Sie nahm Crack, Heroin und Schmerzmittel - manchmal bis zur Überdosis. „Irgendjemand war immer so nett, mich zu retten“, sagt Love. Einmal leistete Schauspieler Johnny Depp Hilfe: „Ich hatte nie Sex mit ihm, aber immerhin hat er mich beatmet.“

Sie selbst war nie so fürsorglich. Das Sorgerecht für ihre Tochter Frances Bean wurde ihr entzogen, als das Mädchen elf war. Es wuchs bei der Mutter von Kurt Cobain auf. Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres stritten sich Love und Frances Bean. Daraufhin entzog die Tochter ihrer eigenen Mutter das Besuchsrecht.

Was mit dem Geld passiert ist, das sie von Cobain geerbt hat, weiß Love nicht. Jedenfalls fehlten ihr eines Tages 20 Millionen Dollar. Auch deshalb nahm die Gelegenheitsschauspielerin („Larry Flint - Die nackte Wahrheit“) 2004 das Soloalbum „America’s Sweetheart“ auf. Aber obwohl sie bei David Letterman betrunken ihre Brüste zeigte, wurde die Platte ein Flop. Gegen Courtney Love ist selbst eine Skandalnudel wie Amy Winehouse eine Klosterschülerin.

Fromm wird Love wohl nicht mehr, aber einer der besten Songs des neuen Hole-Albums heißt „A Letter To God“. Linda Perry (4 Non Blondes) hat ihn geschrieben. In dem Lied singt Love: „Ich wollte nie die Person sein, die du siehst.“ Auch dieser Satz könnte einmal auf ihrem Grabstein stehen.

Hole: Nobody’s Daughter (Mercury / Universal).

Wertung: !!!::

Von Matthias Lohr

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