Das Arthur Kell Quartett brachte New Yorker Qualitäten in das Kulturzentrum Schlachthof

Kühl und heiß gleichzeitig

Zu Gast im Kulturzentrum Schlachthof: Das Arthur Kell Quartett aus den USA, hier zu sehen (von links): Altsaxofonist Loren Stillman, Schlagzeuger Mark Ferber und Bassist Arthur Kell. Foto:  Socher

Kassel. Falls jemand am Donnerstagabend im Kulturzentrum Schlachthof nicht wusste, dass die Jazzmusiker aus New York kommen, hätte er es erraten können? Wahrscheinlich schon, denn das fulminante Arthur Kell Quartett hatte eine rhythmische Dringlichkeit und Dichte zu bieten, die man in der Welthauptstadt des Jazz eher findet als anderswo.

Kühl und heiß gleichzeitig, fast unnahbar in der Perfektion und puristisch modern im besten Sinn konnte einem die Musik von Arthur Kell (Kontrabass), Brad Shepik (Gitarre), Mark Ferber (Schlagzeug) und Loren Stillman (Altsaxofon) vorkommen. Weder skurriler Witz noch balladenreiche Faserschmeichlerei, weder bilderstürmerische Protesthaltung noch gefälliger Neokonservativismus boten vordergründige Orientierungsmarken.

Intensität steigt

Stattdessen hatte das Publikum nachzuvollziehen, wie die Musiker ihre oft komplexen Themen in einem konventionellen Formschema entwickelten, wie sie die Intensität nach oben pushten. Sagenhaft gut dabei der Saxofonist Loren Stillman (29). Schon vor einigen Jahren war der frühere Schüler von Lee Konitz und Dave Liebman von der Jazzbibel Downbeat zum „Rising Star“ erklärt worden. Kein Wunder, denn Stillmans Spiel vereint eine sehr kultivierte, blitzblanke, weiche Tongebung mit avancierten Materialerkundungen. Geschmeidige Ritte durch chromatische Skalen, rasende Tongirlanden, große Intervallsprünge - das alles brachte Stillman ohne mit der Wimper zu zucken hervor. Die 30 Zuhörer machten an jenem Abend wohl die Bekanntschaft mit einem Giganten.

Von Georg Pepl

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