Künftige Erste Kapellmeisterin ist angetan vom Kasseler „Spirit“

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Freut sich auf die verantwortungsvolle Aufgabe in Kassel: Dirigentin Anja Bihlmaier.

Kassel. Ab der kommenden Spielzeit ist die Dirigentin Anja Bihlmaier am Kasseler Staatstheater.

Die Stadt Kassel hat Anja Bihlmaier (36) an Ostern zum ersten Mal kennengelernt. Allerdings hatte sie schon viel vom Staatstheater Kassel gehört. Vom den früheren Kapellmeistern Rasmus Baumann, Andreas Kowalewitz und Thomas Griebow, denen sie bei verschiedenen Gelegenheiten begegnete. Man kennt sich eben in der Dirigentenszene.

Mit positiven Erwartungen ging sie daher ihr Probedirigat in Kassel für die Position der Ersten Kapellmeisterin und Stellvertreterin des Generalmusidirektors an. Und war sofort beeindruckt von der Qualität des Staatsorchesters, von der lebhaften Kommunikation zwischen Dirigentin und Musikern.

„Ich habe sofort den Ehrgeiz des Orchesters, das Streben nach Qualität gespürt“, sagt Anja Bihlmaier, die auch den „modernen Spirit“ lobt. „Manchmal ist es für eine Frau immer noch etwas schwieriger“, hat sie erfahren, „aber hier ging es ausschließlich um die Sache.“ Die Wertschätzung beruht offenbar auf Gegenseitigkeit, denn auch das Orchester hat sich mit einem starken Votum für Anja Bihlmaier ausgesprochen. In der kommenden Saison tritt sie die Nachfolge von Yoel Gamzou an, der Kassel verlässt.

Obwohl sie schon einige berufliche Stationen hinter sich hat – zuletzt das Theater Chemnitz und die Staatsoper Hannover, wo sie gegenwärtig Zweite Kapellmeisterin ist –, hört man ihr die schwäbische Herkunft noch ein wenig an. Geboren wurde Bihlmaier in Schwäbisch Hall. Sie erhielt Unterricht in Violine, Gesang und Klavier. In Freiburg und in Salzburg studierte sie Dirigieren (unter anderem bei Dennis Russell Davies). Erste Engagements führten sie nach Görlitz, Coburg und Hildesheim.

In Hannover dirigierte Anja Bihlmaier zuletzt das Tschaikowsky-Ballett „Dornröschen“, Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ und Mozarts Meisterwerk „Don Giovanni“. Am 23. Mai wird sie die Premiere von Jules Massenets Oper „Werther“ leiten. Ihr Engagement in Hannover ist auch der Grund, weshalb Bihlmaier am 3. Oktober nicht die Kasseler Auftaktpremiere, Bellinis „Norma“, dirigieren kann: Sie wird zum Spielzeitauftakt noch in Hannover die Dvorˇák-Oper „Rusalka“ leiten.

In Kassel wird ihre erste Einstudierung Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ sein. Außerdem wird sie in die Produktionen „Eugen Onegin“ (Tschaikowsky), „La Bohème“ (Puccini). „Rigoletto“ (Verdi) und „Die Liebe zu den drei Orangen“ (Prokofjew) einsteigen. Zur neuen Verantwortung als Erste Kapellmeisterin gehören zwei Sinfoniekonzerte, auf die sie sich besonders freut. Die Programme will sie noch nicht nennen, doch eine Brahms-Sinfonie wird dabei sein. „Das deutsche Repertoire ist mir besonders nah“, sagt sie.

In Kassel sucht Anja Bihlmaier derzeit eine Wohnung für sich allein: „Ich bin mit dem Theater verheiratet.“ Toll findet die passionierte Mountain-Bike-Fahrerin die hiesigen Berge. Ob sie einer anderen Leidenschaft seit früher Kindheit, dem Reiten, auch wieder nachgehen kann, lässt die sympathische Musikerin noch offen.

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