Künstler Ai Weiwei auf Kaution frei

Peking. Ai Weiwei ist wieder frei: Der chinesische Künstler, der zweieinhalb Monate in Haft verbrachte, ist gegen Zahlung einer Kaution auf freiem Fuß. Das hat die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwochnachmittag gemeldet.

Demnach soll Ai diverse Steuervergehen gestanden haben. Die Freilassung wurde aber auch mit seinem Gesundheitszustand begründet. Dem Künstler werden von der chinesischen Regierung angebliche Wirtschaftsverbrechen vorgeworfen. Wer die Kaution bezahlt hat, ist bislang unklar.

Aktualisiert um 18.17 Uhr

Bundesaußenminister Guido Westerwelle und andere westliche Regierungen hatten nach der Festnahme Ai Weiweis am 3. April auf dem Pekinger Flughafen die sofortige Freilassung gefordert. Aus ihrer Sicht war er wegen seiner Kritik am kommunistischen System festgesetzt worden. Die Familie des Künstlers hatte den gegen ihn erhobenen Vorwurf des Steuerbetrugs zurückgewiesen. Laut Xinhua soll ein von Ai Weiwei „kontrolliertes“ Unternehmen, Beijing Fake Cultural Development Ltd, „große“ Beträge Steuern hinterzogen haben. Am Mittwoch schrieb die Staatsagentur, Ai Weiwei sei zur Steuernachzahlung bereit. Menschenrechtsgruppen hatten darauf hingewiesen, dass chinesische Behörden auch schon in anderen Fällen den Vorwurf von Wirtschaftsverbrechen gegen Bürgerrechtler erhoben haben.

Mit gemischten Gefühlen reagierte Ais Berliner Verleger Wolfgang Hörner vom Galiani Verlag, der die in China verbotenen Blogtexte des Künstlers herausbringt. „Wir sind natürlich zunächst unglaublich froh“, sagte er. „Aber wir machen uns auch große Sorge, dass ihm Wirtschaftsverbrechen vorgeworfen werden. Das ist oft ein Weg, Regimekritiker ins Gefängnis zu bringen oder sie zu ruinieren.“ Hörner betonte, an den Zuständen in China habe sich nichts grundsätzlich geändert. „Das ist zwar grandios, aber es gibt genügend andere, weniger bekannte Künstler, die nach wie vor inhaftiert oder verschleppt sind.“ Bei Galiani erscheinen Ais Blogtexte Ende Juli unter dem Titel „Macht euch keine Illusionen über mich“.

Ai Wei Wei und die Beziehung zu Kassel

Ai Weiwei sorgte auf der zwölften documenta mit seiner Aktion „fairytale“, für die er 1001 Chinesen nach Kassel holte, und seiner Skulptur „Template“ aus Türen abgerissener chinesischer Häuser für Aufsehen. Ebenso brachte er 1001 alte Stühle aus abgerissenen Häusern seines Heimatlandes als Ruhepole in die Weltkunstausstellung ein. In China selbst darf die Kunst des Bildhauers, Malers, Konzeptkünstlers und Menschenrechtsaktivisten nicht gezeigt werden.

Im April 2011 traf sich die Kasseler Kunstszene zur Solidaritäts-Demonstration "Freiheit für Ai Weiwei" gegenüber der Stadthalle. In Anlehnung an Weiweis documenta-Aktion 2007 brachten die meisten Teilnehmer einen Stuhl mit zur Demo.

Der Regimekritiker Ai genießt wegen seiner Kunstwerke und Installationen international hohes Ansehen. Als künstlerischer Berater war er auch an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking beteiligt. Ai Weiwei wurde 1957 in Peking geboren. Er studierte an der Filmakademie in Peking und lebte mehrere Jahre in den USA. In unzähligen Dokumentarfilmen zeigt sich sein politischer Aktivismus, wo er Menschenrechte thematisiert. Zuletzt avancierte der Künstler auch zum Blogger und nutzte Twitter - wie andere chinesische Aktivisten - um Missbräuche der Polizei und Behörden anzuprangern. (dob/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.