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Dinos und viel Farbe im Fridericianum in Kassel

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Von: Mark-Christian von Busse

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Wie Pinselstriche: Einer der Tische aus Kunststein.
Wie Pinselstriche: Einer der Tische aus Kunststein im Cafébereich des Fridericianums. © Fischer, Andreas

Mit der künstlerischen Intervention „Mimikry“ hat Kerstin Brätsch die Rotunde des Kasseler Fridericianums neu gestaltet. Sie wird bis zur documenta 16 im Jahr 2027 zu sehen sein.

Kassel – Vor Dino-Kulisse und mit Dino-Keksen Kindergeburtstage feiern – das ist ab sofort im Fridericianum in Kassel möglich. Die jüngste künstlerische Intervention in dem Haus für Gegenwartskunst, eine raumgreifende Installation in der Rotunde von Kerstin Brätsch, soll Jung und Alt „positiv überwältigen“, sagt Direktor Moritz Wesseler.

Durch das ungewöhnliche Interieur mit lichtdurchlässigen Raumteilern, Bänken und Sitzwürfeln sollen sich die Besucher im Cafébereich des Museums angesprochen und willkommen geheißen fühlen. Für die Jüngsten gibt es eine Möblierung in Kindergrößen. Jenseits der besonderen Aufenthaltsqualität ist die Gestaltung der gebürtigen Hamburgerin Brätsch, Jahrgang 1979, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Zeit und mit der Verantwortung des Menschen für den Planeten Erde – damit er nicht ausstirbt wie die Dinos.

„Mimikry“ nennt Brätsch, die als Meisterschülerin bei Lothar Baumgarten in Berlin und an der Columbia University in New York ausgebildet wurde, ihre Arbeit für die Rotunde. In diesem traditionsreichen Raum fand 1955 Wilhelm Lehmbrucks „Kniende“ auf der ersten documenta Platz, später ließ hier Joseph Beuys seine Honigpumpe laufen. Carolyn Christov-Bakargiev verortete das „Brain“ ihrer Kunstschau im „Herz des Fridericianums“, wie Wesseler die Rotunde nennt. Mimikry bezeichnet Formen der Anpassung oder Täuschung, durch die sich Lebewesen vor Feinden schützen.

Nachahmung ist das Prinzip von Brätschs Kasseler Arbeit – nach ihren Cafégestaltungen für das Museum of Modern Art in New York und für die Luma Foundation in Arles. Sie thematisiert die in ihren zeitlichen Dimensionen kaum zu begreifende Erdgeschichte – zu sehen sind Dinosaurier, manche Motive erinnern an Sedimente und Fossilien. Tapeten und Vorhänge beziehen sich aufeinander, ja fügen sich wie Puzzleteile zueinander.

Auch im Hinblick auf die Materialien geht es um Imitation – die Tische sind aus Kunststein gefertigt. Mit den Mustern, Ornamenten und Oberflächenstrukturen bezieht sich Brätsch zudem auf ihr eigenes Werk. Sie zitiert frühere Arbeiten, die ihrerseits Nachahmung zum Thema haben, etwa Gesteinsformationen vortäuschen. Ein Begleitheft zur Installation, die bis 2027 zu sehen sein soll, gibt darüber Auskunft. Brätsch reflektiert auch die Kunstproduktion überhaupt, die sich oft mit Traditionen, vorhandenen Bildern und Vorbildern beschäftigt.

Menschen – die gemessen an der Erdgeschichte nur einen extrem kurzen Zeitraum dominieren – tauchen in den Darstellungen nicht auf. „Der Mensch kommt vor, in dem er diesem Ort seine Funktion gibt, ihn zum Leben erweckt“, sagt Brätsch. „Hoffentlich wird er benutzt, zum Handy aufladen, lesen und Kaffee trinken.“ Es sei eine Ehre und Herausforderung gewesen, „mich hier selbstverwirklichen zu dürfen“.

Die ersten Führungen zu „Mimikry“ finden am heutigen Samstag, 16 Uhr, am Mittwoch, 25.1., 17 Uhr, und Samstag, 29.1., 15 Uhr, statt. Öffnungszeiten des Cafés: Di - So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr. Mehr Informationen unter fridericianum.org

Dino-Darstellungen: Direktor Moritz Wesseler mit einem der Vorhänge.
Dino-Darstellungen: Direktor Moritz Wesseler mit einem der Vorhänge. © Fischer, Andreas
Transparente Vorhänge und bunte Tische: Blick in die von Kerstin Brätsch gestaltete Rotunde des Fridericianums.
Transparente Vorhänge und bunte Tische: Blick in die von Kerstin Brätsch gestaltete Rotunde des Fridericianums. © Andreas Fischer

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