Wo die Kultur ein Halt ist: Künstler aus dem Oman in der d:gallery

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Schleier wie Skulpturen: Fotografie von Fakhariya Klfan Al-Yahyai. Foto: Esterer

Kassel. Arabesken, arabische Schriftzeichen, Muster erinnern an islamische Kalligrafien, an das Verbot, beseelte Lebewesen darzustellen. Die fensterähnlichen Formen in den Acrylbildern des osmanischen Künstlers Moosa Omar Shakir Al-Zadjali lassen in das Innere, in die Tradition des Landes an der Weihrauchstraße blicken. 14 Künstler aus dem Oman, deren Arbeiten jetzt in der d:gallery zu sehen sind, verbinden die jahrtausendealte Geschichte ihrer Heimat mit dem Aufbruch in die Moderne.

Seit 1970 regiert Sultan Quabus ibn Said das ehemals rückständige Land, das zu Wohlstand gekommen ist: Die Ölquellen sprudeln. Es gibt ein Renten- und Gesundheitssystem, 90 Prozent der Kinder gehen zur Schule, kostenfrei. Die erste Universität wurde 1986 gegründet. Eine Kunsthochschule ist noch nicht vorhanden. Dank des „Ministeriums für nationales Erbe und Kultur“ konnte sich im Lauf der letzten 40 Jahre aber moderne Kunst etablieren.

Mit dem Thema Schleier spielt Fakhariya Klfan Al-Yahyai und lässt diese auf großformatigen Fotografien wie Skulpturen aussehen. Hanan Ibrahim Al-Shani zeigt einen traditionellen Vieh- sowie einen Fischmarkt, wo auch westliche Touristen schlendern. Naima Abdullah Al-Miamni scheint in einem abstrakten Ölgemälde die vom Wind gezeichneten Linien der Wüste mit denen des Meeres zu verschmelzen. In den Wogen recken sich gitterähnliche Netze, um nicht überrollt zu werden. Dem Ganzen setzt sie silbrige Schaumkronen auf, vielleicht ein Hinweis auf das Handwerk des Silberschmiedens, das immer weniger ausgeübt wird.

Kassel ist die erste Station des Projekts „Painting the Sky“, das in Zusammenarbeit des Kunstvereins in Muskat und der „Oman Air“ zustande kam. Die Fluglinie bringt die Bilder weiter nach London, Paris, Mailand, Genua, Bangkok, Kuala Lumpur. Die Passagiere sehen die Werke auf dem Bildschirm. Aufgrund seiner Kontakte machte es der Kurator Zaki Al-Maboren möglich, die Ausstellung nach Kassel zu holen. Es sind sensible, wunderbar fremdartige Arbeiten. Sie formulieren den Stolz der Künstler auf die Kultur ihres Landes, die sie bewahren und nicht im neureichen Protz untergehen lassen möchten, da sie Halt bedeutet.

Bis 29. Juni, Schönfelder Straße 41b, Fr 15-19, Sa + So 11-15 Uhr

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